Bangkok Post rechnet mit dem eigenen Rechtssystem ab

Selten hat eine international geachtete Zeitung so dezidiert mit dem eigenen Rechtssystem abgerechnet wie die ‚Bangkok Post‘ in einem Editorial am heutigen Sonntag. Noch scheinen die Polizeiermittlungen auf Koh Tao wegen des Todes von Elise Dallemagne aus Belgien zu laufen. Und doch, mutmaßt nicht nur der Kommentator der Bangkok Post, könnte die angeblich Ende April durch Suizid aus dem Leben geschiedene Belgierin nun ein zweites Mal ‚gestorben‘ sein.

Nach einer Woche eines spektakulär inszenierten Spezialeinsatzes auf Koh Tao und Koh Phangan kam bisher nicht ein brauchbares Ermittlungsresultat an die Öffentlichkeit, dafür eine weltweit mit Erstaunen registrierte Strafanzeige gegen die englischsprachige Online Zeitung ‚Samui Times‘.

Das Rätsel wurde grösser. Thailands besten Polizeidetektiven sei es entweder nicht gelungen, auf der 21 Quadratkilometer kleinen Insel eine Spur zu finden. Oder der Glaube saß zu fest, Elise Dallemagne habe irgendwann zwischen 22. und 24. April ein Nylonseil gekauft, beim Hinauf wandern in den Dschungel über der Tanote Bucht noch schnell eine Benzinflasche im Montalay Beach Resort gestohlen und sich dann an einem Baum erhängt. Ohne eine Zeile des Abschieds oder einer Vorwarnung an Freunde oder ihre Familie in Brüssel.

Das mag so gewesen sein, es könnte aber auch eine andere, dramatischere Version der letzten Lebensstunden der 30 jährigen Belgierin gegeben haben. Die Welt und ihre Familie werden es wohl nie erfahren. Wichtige Spuren sind längst verloren und die Ermittlungs-Zielsetzung ist gekippt. Eine andere wurde dafür mit Kimme und Korn fixiert: die Presse.

Koh Taos Bürgermeister Chaiyant Turasakul scheint einen exzellenten Draht nach oben zu besitzen und er nutzte ihn laut Recherchen der Bangkok Post. Auf seinen Wunsch flogen Ende vergangener Woche der vom Militär ernannte Provinzgouverneur Auaychai Inthanak und der oberste Verwaltungsbeamte der südthailändischen Region 8 mit einem Hubschrauber auf Koh Tao ein.

Die Intention war da noch nicht absehbar, doch der Paukenschlag folgte: Turasakuls Begehren nachgebend verkündete der Gouverneur aus Surat Thani, dass gegen die ‚Samui Times‘ Strafantrag wegen krimineller Verunglimpfung Koh Taos als Urlaubsdestination erstattet werde. Allein die Verwendung ‚death island‘ (Todesinsel/die Red.) habe dem Tourismus schweren Schaden zugefügt und damit der Reputation Thailands.

Kaum einer sprach danach vom Ermittlungsfall Elise Dallemagne. Die Meldung der Konterattacke ging um die Welt und nun stand nicht alleine Koh Tao im Medien-Scheinwerferlicht, plötzlich waren es auch die Polizei, die Justiz und schlimmstenfalls sogar das gesamte System des Landes.

Der Kommentator der Bangkok Post hatte es kommen sehen und vergeblich zur Besonnenheit gemahnt. Die Fallbeile der erzürnten Verteidiger des unbefleckten thailändischen Inseltourismus‘ schienen bereits ausgelöst worden zu sein. Neuerlich rollt eine Lawine durch die weltweiten Medien und das Wort ‚Bärendienst‘ könnte besser nicht passen als zu dieser Schnellschussaktion. Der Tod der jungen Belgierin an der Tanote Bay Koh Taos erreichte politische Dimensionen, obwohl anfangs nur eine verzweifelte Mutter nach Antworten gesucht hatte.

Eine letzte Chance will sie nutzen. Am Montag soll Michele van Egten tatsächlich noch einmal nach Bangkok kommen, haben die Reporter der Bangkok Post erfahren. Die Mutter von Elise Dallemagne steht seit zehn Tagen auch in Kontakt mit der Redaktion des FARANG. Sie sagt, sie habe wenig Vertrauen in das Land, in dem ihre Tochter starb. Deshalb verweigerte sie zuletzt eine Zusammenarbeit mit der Tourist Police und will erst morgen mit Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes, der belgischen Botschaft in Bangkok und hinzugezogenen Polizeioffizieren Thailands den Fall erörtern.

Es dürfte keine einfache Diskussion werden. Viel Vertrauen ist verspielt worden. Die von der thailändischen Polizei an die Presse geleiteten Informationen eines angeblichen ersten Selbstmordversuchs am 4. April am  Bangkoker Hauptbahnhof Hua Lamphong haben Michele van Egten laut eigenen Angaben ‚tief erschüttert‘. Sie sagt, sie habe Antworten auf die mysteriösen Todesumstände ihrer Tochter gesucht und dafür einen weiteren konstruierten Suizid erhalten.

Die freie Presse hat solche Feinheiten registriert und sie berichtet weiter. Die Bangkok Post wertet die Reaktion von Koh Taos Bürgermeister, des Gouverneurs von Surat Thani und des Verwaltungsleiters der Region 8 als Versuch der Einschüchterung. Der Kommentator schreibt unverblümt, dass man aus dieser Anklage gegen die ‚Samui Times ‘einen Schluss ziehen könne: „Wenn Du nicht willst, dass Armee und Polizei an Deine Tür klopfen, begleitet von Justizbeamten in offenen Rechtsstreitigkeiten, dann lebe nicht in Thailand, verwende keinesfalls den Begriff ‚death island‘ oder etwas Gleichlautendes.“ In einem Satz: Halte besser den Mund.

Sarkastisch merkt die Bangkok Post an: Allein, dass ein Rechtsfall gegen die ‚Samui Times‘ anhängig sei, ohne auch nur eine Adresse oder einen Firmensitz der Online Zeitung in Thailand gefunden zu haben, spräche Bände. Der Kommentator schreibt er hoffe, dass bei der Spurensuche auf Koh Tao bessere Recherchen angestellt worden seien.

Laut Informationen lokaler Medien sitzt die Chefredakteurin der ‚Samui Times‘, Suzanne Buchanan, längst wieder in ihrem Heimatland England, es gibt keinen Firmensitz mehr auf Koh Samui. Buchanan hatte Thailand im April 2016 nach 24 Jahren den Rücken gekehrt. Weshalb? Sie nennt die ‚unerträglichen Ermittlungsumstände‘ nach dem Doppelmord auf Koh Tao vom 15. September 2014 als Hauptgrund.

Nicht schon wieder Koh Tao!! Es scheint wie ein Fluch, der durch unvereinbare Emotionen getragen wird und  bei dem die Vernunft derzeit wenig Gehör findet. Den Schaden haben die Falschen.

Quelle: http://der-farang.com/de/pages/bangkok-post-schelte-fuer-koh-tao-ermittler

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Ein Kommentar zu Bangkok Post rechnet mit dem eigenen Rechtssystem ab

  1. berndgrimm sagt:

    Ich habe schon häufig geschrieben dass Thailand derzeit ein Unrechtsstaat ist.
    Dies wurde es nicht erst in dieser Militärdiktatur.
    Dies fing in der Thaksin Zeit an .
    Eigentlich schon vor seiner Zeit, denn er missbrauchte die Thai Justiz
    schon lange bevor er selbst Regierungsschef wurde und er fand immer
    willige Komplizen im System.
    Trotzdem muss man die derzeitige totale Anarchie dieser „guten“ Militärdiktatur
    anlasten,welche angetreten war um hier aufzuräumen und Ordnung zu schaffen.
    Man muss sich schon einmal vorstellen dass hier selbst der diktatorische
    Ermächtigungsartikel 44 aus der nicht mehr gültigen Übergangsverfassung
    von der Exekutive nicht durchgesetzt werden kann!

      (Zitat)  (Antwort)

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