Burma-Serie: Vertreibung der Rohingyas – Teil 4

Die Menschen finden auch immer neue Wege, um herüberzukommen. Mittlerweile erreichen die meisten Rohingya Bangladesch nicht mehr über Land, sondern mit dem Boot. Der Ort, an dem sie des Nachts eintreffen, heißt Shahpuri. Er liegt im äußersten Süden des Landes an der Mündung des Naf-Flusses.

Die Menschen in Bangladesch bezeichnen Shahpuri als Insel, weil das Gebiet bei Flut durch ein breites Schwemmland vom Rest des Landes getrennt ist. Der Weg dorthin führt von der Stadt Cox’s Bazar zunächst über eine nagelneue Straße entlang grüner Hügel mit Palmen, Bananen und Bambussträuchern. Auf der rechten Seite liegt ein breiter Strand, der viele Touristen in diese Gegend lockt und an dem die Fischer ihre Netze für den nächsten Fang vorbereiten.

TEIL 3 hier.

Erst in der Nähe der Stadt Teknaf kommt der breite Grenzfluss in den Blick. Das burmesische Ufer ist nur schemenhaft am dunstigen Horizont zu sehen. Manche Bangladescher sagen, dass der Fluss Naf hier wie ein Ozean sei, nur ohne Wellen. Außerhalb von Teknaf gibt es einen Anleger, an dem die Boote von Shahpuri losfahren. Dort trifft derzeit alle paar Minuten ein neues Boot ein, das mit Rohingya-Flüchtlingen beladen ist. Sie schleppen ihre Säcke, Taschen und Koffer an Land.

Ein paar Rohingya berichten, dass sie vor drei Tagen aus ihrem Dorf geflohen seien. Das Militär hatte auch auf sie geschossen. Angehörige der lokalen buddhistischen Bevölkerung seien mit Messern und Speeren auf sie losgegangen. „Wir haben etwa 40 Rohingya aus unserem Dorf begraben. Es werden aber noch etwa 50 von ihnen vermisst“, sagt ein Mann. Mit 28 Erwachsenen und etwa einem Dutzend Kindern seien sie auf dem Boot nach Bangladesch geflüchtet.

Hoffnung am „Nullpunkt“

Noch chaotischer als auf dem Festland ist die Szenerie aber auf der Insel selbst. Der Anleger gehört zu den wichtigsten Nadelöhren in dieser Flüchtlingskrise. Dicht an dicht stehen die Rohingya auf dem Damm, an dem die einfachen Holzboote liegen. Es gibt kaum ein Durchkommen. Es sind viele Kinder dabei, hochschwangere Frauen und ein gelähmter Alter, den seine Söhne kilometerweit in einem wackeligen Metallstuhl bis hierher getragen haben. Die Luft ist erfüllt von den Rufen der Bootsleute und dem Weinen der Kinder. Ab und zu rutscht ein Flüchtling aus dem Matsch am Ufer mit den Füßen in das sandige Wasser hinein.

Wer von hier aus den Wegen über mehrere Kilometer bis an die Südspitze der Insel folgt, dem kommt ein Strom von Menschen entgegen. Dann kommt eine schmale Landzunge in den Blick, die sich wie ein Haken in die Bucht von Bengalen krümmt. Die Anwohner nennen diesen Ort den „Nullpunkt“, weil er der südlichste Zipfel von Bangladesch ist. Darauf steht ein Wachturm.

Burma-Serie: Vertreibung der Rohingyas - Teil 4

Früher starteten von hier viele bangladeschische Migranten über das Meer auf der Suche nach Arbeit in Malaysia oder bis in den Nahen Osten. Doch heute ist dies der Ort, an dem jede Nacht kleine Holzruderboote eintreffen, die vollbeladen mit Rohingya und ihren Habseligkeiten sind. Die Überfahrt von Burma dauert laut den Flüchtlingen nur etwa eine Stunde. Nicht weit von hier wurden in der vergangenen Woche die Leichen von mehr als 20 Rohingya gefunden, die auf dem Weg gekentert waren. Auch am Mittwoch wurden Presseberichten zufolge wieder Ertrunkene gefunden.

Teil 5:  11.September 2017

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2 Kommentare zu Burma-Serie: Vertreibung der Rohingyas – Teil 4

  1. emi_rambus sagt:

    Anhang

    Ich habe nochmal eine neue Karte erstellt.
    In dem fast unzugaengliche ‘Naf River Tal’, lebten ausschliesslich Rohingya. Im restlichen Arakan (heute Rakhaing) lebten ueberwiegend Karen , die heute dort nahezu ausgerottet sind!! (auch in anderen Siedlungsgebieten)
    Als Arakan durch den’Treaty of Yandabo’ ….

    https://en.wikipedia.org/wiki/Treaty_of_Yandabo

    …. an BritischIndien fiel, wurden viele Arbeiter aus Indien ins Land geholt.
    Siehe auch hier:

    BritishIndia 1860
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/British_india.png

    UpperBurma wurde in mehreren Kriegen (1852, 1866 und 1886) von Großbritannien besetzt und ebenfalls an das Kaiserreich Indien angeschlossen.
    Es ist wohl bis heute so, in Bangladesch leben eigentlich KEINE Rohingyas! Sie leben bis heute im Westteil des NafRiverTals, das 1971 Bangladesch zugschlagen wurde.
    Sie sind und waren NIE Bengalis und sind auch nie von dort eingewandert. Sie leben schon Jahrhunderte dort.
    Der Rest des Volkes lebte im OstTeil des Tales!!

    Jetzt haben wohl die Burmesen vermutlich den ganzen Fluss vermint und vertreiben die Rohingya mit Waffengewalt aus ihren Doerfern und vernichten diese.
    So wie es sich darstellt, gibt es nur noch den Fluchtweg ueber die Muendung des Flusses.

    Im sehr armen Bangladesch leben etwa 1100EW/km².
    Im westlichen Bereich des NafRivers duerften jetzt etwa 1.600Menschen/km² eingepfercht.
    Ich halte es fuer eine sehr blauaeugige Schoenrederei, diese etwa 3 Mio Menschen waeren im bereits ueberbevoelkerten Bangladesch willkommen.
    Sie werden immer wieder versuchen, in ihre Heimat zurueckzukehren.

    Die Nobelpreistraegerin sprach von Terroristen!
    Ich weiss nicht, wenn sie meint, aber ich sehe da auch Terroristen.
    Das waren schon welche, die die Buddhistin vergewaltigt haben und dann einen Tag spaeter den Bus mit Moslimen zerlegt haben (2012). Und ich bin mir sicher, auch diese Terroristen haben aktuell die Polizeistationen ueberfallen um es den Rohingyas in die Schuhe zu schieben.
    Die Rohingyas haben wie die Karen mit den Englaendern die Burmesen besiegt.
    Und das koennen ihnen die “Burmesen” nicht verzeihen.

    Fuer mich gibt es eigentlich nur zwei Alternativen:
    Entweder haben Rohingyas, Karen , … einen Anspruch auf einen eigenen Staat, ODER sie sind Burmesen.

      (Zitat)  (Antwort)

  2. berndgrimm sagt:

    Es ist bezeichnend dass wir jetzt, wo in Thailand die Kacke am Dampfen ist
    und sich die „gute“ Militärjunta selber ad absurdum führt mit unsinnigen
    Räuberpistolen aus Burma abgelenkt werden sollen.
    Burma ist ein Vielvölkerstaat wo die ethnischen Burmesen viele
    Minderheiten unterdrücken.
    Es herrscht immer noch eine Militärdiktatur (trotz „Wahlen“)
    und niemand weiss für wen Aung San Suu Kyi arbeitet
    und was sie wirklich vorhat.
    Nicht zuletzt sind in Burma auch viele reiche Thai am Werke.
    Schliesslich haben sowohl Thaksin als auch die Thai Junta
    sehr gute Beziehungen zu den Militärdiktatoren.
    Ich habe mich zuletzt vor 2 Jahren noch einmal in Burma
    umgesehen weil wir damals schon weg wollten aus Thailand.
    War aber überhaupt nicht positiv.
    Alles was irgendeinen Wert hat ist drüben schon in Thai Besitz.
    Viel zu teuer, keine Infrastruktur und kein Rechtsstaat in Sicht.
    Da wären wir vom Regen in die Traufe gekommen.
    Wenn man also in diesem Thailand Blog über Burma
    schreiben wll, so sollte man über die Komplizenschaft
    der letzten Thai Regierungen mit den Generälen der Militärdktatur
    in Burma schreiben und über die Ausbeutung der burmesischen Minderheiten
    die als (nicht anerkannte) Flüchtlinge nach Thailand kamen
    und hier vermarktet werden.

      berndgrimm(Zitat)  (Antwort)

      (Zitat)  (Antwort)

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