Bangkok – Die politische Spannungen in Thailand verschärfen sich: Der schwelende Konflikt zwischen der regierenden Pheu-Thai-Partei und ihrem mächtigen Koalitionspartner Bhumjaithai droht, die Regierung von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra ins Wanken zu bringen. Die zunehmend angespannte Beziehung könnte in den kommenden Wochen zur Auflösung des Parlaments führen.
Was einst als Zweckbündnis ideologisch unterschiedlicher Lager begann, ist mittlerweile zu einem offenen Machtkampf geworden. Besonders nach der Senatswahl, bei der das sogenannte „blaue Lager“ – dem Bhumjaithai nahestehende Gruppen – erhebliche Einflussnahme ausübte, verschob sich das politische Gleichgewicht. Der informelle Bhumjaithai-Chef Newin Chidchob hat seinen Einfluss massiv ausgebaut, unterstützt durch neue Senatoren mit Verbindungen zur Demokratischen Partei.
Die Situation eskalierte weiter, als das Department of Special Investigation (DSI) gemeinsam mit der Wahlkommission mutmaßliche Manipulationen bei der Senatswahl untersuchte. 53 Senatoren wurden für Anhörungen zwischen dem 19. und 21. Mai vorgeladen. Diese Enthüllungen treffen die Regierung in einem empfindlichen Moment – mitten in den Vorbereitungen auf die entscheidende Haushaltsabstimmung für das Jahr 2026.
Wie politische Insider berichten, plant Bhumjaithai, in der Sondersitzung vom 28. bis 30. Mai den Haushaltsentwurf scheitern zu lassen – ein symbolträchtiger Machtbeweis gegenüber der Pheu Thai. Sollte der Haushalt nicht verabschiedet werden, könnte Premierministerin Paetongtarn gezwungen sein, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen.
Parlamentarische Kräfteverhältnisse im Überblick
Im 494 Sitze umfassenden Repräsentantenhaus benötigt die Regierung 247 Stimmen zur Mehrheitsbildung. Zwar vereint die derzeitige Koalition 324 Sitze – angeführt von Pheu Thai (142 Sitze) und Bhumjaithai (69 Sitze) – doch bröckelt die Geschlossenheit zunehmend.
Ein Bruch mit Bhumjaithai würde die Regierung auf rund 255 Sitze reduzieren – ein fragiles Polster, das insbesondere durch parteiinterne Spaltungen, etwa bei den Demokraten, gefährdet wäre. Ohne Überläufer aus der Opposition wäre der Machterhalt in diesem Szenario kaum zu sichern.
Staatskrise durch politische Rechenspiele
Beobachter warnen: Der erbitterte Machtkampf könnte nicht nur die parlamentarische Handlungsfähigkeit lähmen, sondern langfristig die institutionelle Stabilität Thailands untergraben. Schon jetzt wirkt die Koalition trotz rechnerischer Mehrheit tief gespalten – ein Zustand, der kaum Raum für politische Reformen oder wirtschaftliche Planungen lässt.
In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob Paetongtarn das Ruder noch herumreißen kann – oder ob der Weg in Neuwahlen unausweichlich ist.
Redaktion STIN // CTN-Media