Bangkok – In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit zeigt eine aktuelle Umfrage der Suan Dusit University alarmierende Einblicke in die finanzielle Lage der thailändischen Bevölkerung: Rund 83 Prozent der Befragten verfügen lediglich über Ersparnisse in Höhe von maximal drei Monatsgehältern. Für den Ernstfall – etwa eine plötzliche Arbeitslosigkeit – stellt das ein enormes Risiko dar.
Die im Mai 2025 durchgeführte Umfrage unter 1.229 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedlicher Berufsgruppen und Bildungsniveaus widmete sich dem Thema „Die Thailänder und wie sie mit wirtschaftlichen Problemen umgehen“. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Fast die Hälfte (48,32 %) hat weniger als ein Monatsgehalt auf der hohen Kante, weitere 35,24 % nur ein bis drei Monatsgehälter.
Noch gravierender ist das fehlende Vertrauen in staatliche Maßnahmen. Über drei Viertel der Befragten (76,06 %) zweifeln daran, dass die Regierung in der Lage ist, die wirtschaftlichen Folgen globaler Entwicklungen – insbesondere die Auswirkungen von US-Gegenzöllen – wirksam abzufedern.
Finanzexperten schlagen Alarm: Der Verband der thailändischen Finanzplaner empfiehlt Angestellten, Rücklagen in Höhe von sechs Monatsgehältern zu bilden. Für Freiberufler und Selbstständige sei ein finanzielles Polster von zwölf Monatsgehältern ideal. Gleichzeitig rät der Verband dazu, zusätzliche Qualifikationen zu erwerben – auch mit Blick auf Nebentätigkeiten.
Ein Beispiel für die alltägliche Realität ist ein Lotterieverkäufer im Bangkoker Bezirk Din Daeng. Um über die Runden zu kommen, fährt er zusätzlich Motorradtaxi – ein klassischer „Zweitjob“ in der Hauptstadt. Dennoch reicht das Einkommen kaum aus. Er musste bereits in ein kleineres Zimmer umziehen, um Kosten zu sparen – von einer einjährigen finanziellen Absicherung könne keine Rede sein, erzählt er gegenüber dem Sender Thai PBS.
Die Umfrage wirft ein Schlaglicht auf die fragile wirtschaftliche Situation vieler Thailänder – und zeigt zugleich, wie dringend strukturelle Maßnahmen zur Einkommenssicherung und besseren finanziellen Bildung gebraucht werden.