Bangkok/Hanoi – Premierministerin Paetongtarn Shinawatra wird am 15. und 16. Mai ihren ersten offiziellen Besuch in Hanoi absolvieren – zu einem Zeitpunkt, an dem sich Vietnam zunehmend als wirtschaftlicher Herausforderer Thailands in Südostasien positioniert. Während Vietnam mit rasantem Wachstum, attraktiven Visa-Optionen und günstigen Lebenshaltungskosten Touristen, Investoren und Expats anzieht, zielt der Besuch der thailändischen Regierungschefin darauf ab, die bilaterale Zusammenarbeit auf eine neue Ebene zu heben.

Im Zentrum der Reise steht die Aufwertung der Beziehungen zu einer umfassenden strategischen Partnerschaft. Dabei werden sich die Regierungschefs beider Länder, Paetongtarn und ihr vietnamesischer Amtskollege Pham Minh Chinh, dem vierten gemeinsamen Thailand-Vietnam-Rundreisetreffen (JCR) widmen – ein hochrangiger Dialog, der die enge Kooperation zwischen Bangkok und Hanoi unterstreichen soll.

Geplant ist die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung, die sich auf drei Säulen stützt: nachhaltiger Frieden, nachhaltiges Wachstum und eine nachhaltige Zukunft. Der strategische Rahmen soll die wirtschaftliche Resilienz beider Länder stärken und sie auf globale Herausforderungen vorbereiten – nicht zuletzt auf Handelskonflikte wie die jüngst gestiegenen US-Zölle.

Im Jahr 2023 belief sich der bilaterale Handel zwischen Thailand und Vietnam auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Die beiden Staaten wollen diesen Wert in den kommenden Jahren deutlich steigern – unter anderem durch tiefere wirtschaftliche Integration und eine engere Zusammenarbeit innerhalb der ASEAN-Staatengemeinschaft.

Doch der Zeitpunkt der Reise ist nicht nur symbolisch. Vietnam strebt danach, Thailand wirtschaftlich zu überholen. Bereits 2024 betrug das vietnamesische BIP 476,3 Milliarden US-Dollar – nur knapp hinter Thailands 526 Milliarden. Vietnams Wirtschaft wächst deutlich schneller: Für 2025 wird ein Plus von 8 Prozent erwartet, während Thailand laut Prognosen bestenfalls auf 2 Prozent kommt.

Auch im Tourismusbereich setzt Vietnam an, Thailand den Rang abzulaufen. Zwar liegt das thailändische Ziel für 2025 mit 36 Millionen internationalen Gästen über dem vietnamesischen (25 Millionen), doch Vietnam überzeugt mit niedrigeren Preisen, neuen Attraktionen und großzügigen Aufenthaltsregelungen für Langzeitreisende, digitale Nomaden und Rentner.

Besonders das zehnjährige Investorenvisum, das eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis und unter bestimmten Bedingungen sogar die Staatsbürgerschaft ermöglicht, hebt Vietnam von der Konkurrenz ab. Weitere Optionen wie die Temporary Residence Card oder eine fünfjährige Visumbefreiung machen das Land auch für Expats zunehmend attraktiv.

Im Rahmen ihres Besuchs wird Premierministerin Paetongtarn auch Gespräche zu den Bereichen Energie, Infrastruktur, Bildung und digitale Technologie führen. Zudem stehen Themen der Verteidigung und regionalen Sicherheit auf der Agenda – als Signal für Thailands Engagement für Stabilität in Südostasien.

Die diplomatische Mission in Hanoi ist zugleich ein außenpolitisches Statement: Die junge Premierministerin positioniert sich als neue Stimme Thailands in der Region – mit dem Ziel, die eigene Rolle zu behaupten, während der Nachbarstaat an wirtschaftlicher und geopolitischer Bedeutung gewinnt.

Trotz bestehender Herausforderungen, etwa in Bezug auf ein fehlendes Handelsabkommen mit den USA, setzt Thailand damit ein Zeichen der regionalen Kooperationsbereitschaft. Regierungssprecher Jirayu Huangsap betonte, die neue strategische Partnerschaft mit Vietnam sei nicht nur ein Ausdruck freundschaftlicher Beziehungen, sondern auch eine Plattform für konkrete Zukunftsgestaltung in Südostasien.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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