TAIPEI – Sawang Janpram ist bei den World Masters Games in Taiwan eine Klasse für sich: Mit 105 Jahren ist der Thailänder nicht nur der älteste Teilnehmer, sondern auch der einzige in seiner Alterskategorie. Damit war ihm der Gewinn von vier Goldmedaillen praktisch sicher – im Diskuswurf, Speerwurf, Kugelstoßen und über 100 Meter.

Doch Sawang wollte nicht nur antreten, sondern auch liefern – und das tat er: In 38,55 Sekunden überquerte der ehemalige Schuldirektor die Ziellinie des 100-Meter-Laufs. Ein beeindruckender Moment, getragen vom Applaus der Zuschauer.

„Ich bin stolz, dass er unserer Familie Ehre gemacht hat“, sagte seine Tochter Siripan, selbst 73 Jahre alt und aktive Athletin, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die beiden gehören zu den fast 26.000 Teilnehmern aus 107 Ländern, die sich in Taipeh bei den World Masters Games messen. Die Veranstaltung, die alle vier Jahre stattfindet, steht unter dem Motto: Dabeisein ist alles – und das in jedem Alter, ab 30 Jahren aufwärts. Mit ihrer Teilnehmerzahl übertreffen die Spiele sogar die Olympischen Spiele 2024 in Paris.

Später Start, große Erfolge

Sawang begann erst mit 90 Jahren mit dem Training – motiviert durch seine Tochter und den Wunsch, im Alter aktiv zu bleiben. Heute geht er drei- bis viermal pro Woche mit Siripan an den Strand in Rayong spazieren, manchmal läuft er auch, manchmal trainiert er Wurfdisziplinen. Und gelegentlich geht es einfach nur auf den Markt – auch das, so Sawang, hält fit.

Die Strategie geht auf: Mittlerweile hat der drahtige Hundertjährige mehr als 60 Medaillen bei internationalen Seniorensportveranstaltungen gesammelt. In Taipeh kamen nun vier weitere goldene Auszeichnungen hinzu.

Sport als Lebenselixier

Beim Kugelstoßen, seiner letzten Disziplin, wurde Sawang gemeinsam mit Athleten der Altersklassen 80+, 85+ und 90+ vorgestellt. Jeder seiner fünf Würfe flog über vier Meter weit – begleitet von Applaus und Bewunderung der jüngeren Teilnehmer.

„Ich bin so stolz auf meinen Vater“, sagte Siripan, die in Taiwan selbst zwei Gold- und eine Silbermedaille gewann. „Wo immer er auftaucht, bewundern ihn die Leute.“

Ob Sawang auch 2027 bei den nächsten World Masters Games in Japan antritt, lässt er offen: „Das hängt von meiner Gesundheit ab“, sagt er mit einem Lächeln.

Vor seiner sportlichen Karriere arbeitete der Vater von fünf Kindern auf einer Farm mit Durian- und Gummibäumen. Heute konzentriert er sich ganz auf den Sport – und auf das, was er ihm gibt:

„Sport macht unser Leben besser“, sagt Sawang. „Wir finden Freunde, fühlen uns lebendiger und sind nicht allein.“

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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