Bangkok – In einer konzertierten Aktion ist die thailändische Regierung erneut gegen Produktpiraterie vorgegangen. Am gestrigen Tag wurde ein bekanntes Einkaufszentrum im Herzen Bangkoks Ziel einer groß angelegten Razzia, bei der zahlreiche gefälschte Luxusartikel – darunter Markenhandtaschen und Uhren – beschlagnahmt wurden. Insgesamt waren über 150 Einsatzkräfte beteiligt, darunter Polizeieinheiten und Vertreter des Handelsministeriums.
Regierungssprecher Jirayu Huangsap betonte, wie ernst es Premierministerin Paetongtarn Shinawatra mit dem Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen sei. Die Maßnahme sei Teil einer nationalen Strategie, Thailand von internationalen Beobachtungslisten, etwa der des US-Handelsbeauftragten, streichen zu lassen.
„Wir dulden keinen Handel mit gefälschten Produkten – weder offline noch online“, erklärte Jirayu. Der jüngste Vorfall sei Ausdruck des entschlossenen Vorgehens gegen Wirtschaftsdelikte, die Thailands internationales Ansehen gefährden.
Hintergrund: Über 2.000 Hinweise auf illegale Aktivitäten
Auslöser für die Ermittlungen waren über 2.000 Hinweise, die über die staatliche Beschwerdestelle 1111 eingegangen waren. Sie berichten von Korruption, Online-Glücksspiel, illegalem Import sowie dem Einsatz von sogenannten „Mule-Accounts“ durch Beamte zur Abwicklung illegaler Finanztransaktionen.
Besonders brisant: Die Ermittlungen brachten enge Verbindungen zu Menschenhandel und illegaler Beschäftigung zutage. Vor allem ausländische Verkäufer – oft englischsprachig – sollen im Außendienst tätig gewesen sein. Allein in einem der betroffenen Einkaufszentren sollen pro Geschäft monatlich bis zu 100.000 Baht an Bestechungsgeldern gezahlt worden sein – landesweit wird der Schwarzmarkt auf mehrere Milliarden Baht jährlich geschätzt.
Operation gegen gefälschte Markenprodukte
Die gestrige Razzia wurde von Generalmajor Tasanapoom Charupraj koordiniert. Ziel der Beamten waren die unteren Etagen des Einkaufszentrums, wo die gefälschten Waren offen zum Verkauf standen. Unter den Händlern befanden sich sowohl thailändische als auch ausländische Staatsangehörige.
Involviert in die illegalen Geschäfte seien laut Behördenangaben auch mehrere namentlich genannte Beamte, die gegen Zahlung von Schmiergeldern wegsahen.
Internationale Reaktionen und rechtliche Anpassungen
Trotz der jüngsten Maßnahmen bleibt Thailand weiterhin auf der Watchlist des U.S. Trade Representative (USTR), die jährlich im Sonderbericht 301 veröffentlicht wird. Die USA würdigten jedoch Thailands Fortschritte im Bereich des geistigen Eigentums, insbesondere rechtliche Reformen und neue Richtlinien im Musiklizenzwesen.
Die Regierung kündigte an, ihre Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden und internationalen Organisationen weiter zu intensivieren. Ziel sei es, Fälschungen und grenzüberschreitende Wirtschaftskriminalität nachhaltig zu bekämpfen.
Hinweis: Bürgerinnen und Bürger können Hinweise auf Produktpiraterie oder Korruption weiterhin über die Hotline 1111, postalisch an die Voice of Thai People, Government House, Bangkok 10300, oder per E-Mail an jirayu9000@gmail.com einreichen.
Redaktion STIN // CTN-Media