Bangkok – In Thailand formiert sich ein wachsender Schulterschluss unter Ärzten zur Unterstützung des nationalen Ärzterats. Auslöser ist eine politische Kontroverse um die Disziplinarmaßnahme gegen drei Mediziner im Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt des früheren Premierministers Thaksin Shinawatra.

Gesundheitsminister Somsak Thepsuthin hatte kürzlich ein Veto gegen den Beschluss des Ärzterats eingelegt, drei Ärzte zu sanktionieren. Diese hatten Thaksin einen sechsmonatigen Aufenthalt auf der Sonderstation des Polizeikrankenhauses im 14. Stock ermöglicht – eine Maßnahme, die breite Kritik hervorrief und als politische Gefälligkeit interpretiert wurde.

Der angesehene Aktivist und Assistenzprofessor Dr. Prayong Temchawala, bekannt für seine Rolle bei den Studentenprotesten von 1973 an der Mahidol-Universität, forderte nun öffentlich alle Mitglieder des Ärzterats auf, an der nächsten – noch nicht terminierten – Sitzung teilzunehmen. Ziel sei es, das Veto des Ministers aufzuheben und die ursprüngliche Disziplinarentscheidung wiederherzustellen.

Darüber hinaus rief Dr. Prayong sowohl Ärzte als auch die breite Öffentlichkeit dazu auf, eine Petition zu unterzeichnen, die die Amtsenthebung von Minister Somsak sowie den Rücktritt der Regierung unter Paetongtarn Shinawatra fordert – Thaksins Tochter.

In einer ironischen Wendung bedankte sich der Professor beim Minister: „Somsaks Eingriff hat die Ärzteschaft zu einer seltenen Einheit inspiriert.“

Unterstützung erhält der Rat auch aus akademischen Reihen: 45 Absolventen des 34. Jahrgangs der Chulalongkorn-Universität gaben heute eine gemeinsame Erklärung ab. Darin appellieren sie an die Öffentlichkeit, dem Ärzterat Rückhalt zu geben und die Vorgänge kritisch zu verfolgen.

Die Gruppe betont, dass medizinische Disziplinarverfahren intern zu regeln seien – ohne politischen Einfluss.

Derweil äußerte sich Thaksin selbst zu dem Vorgang. Der Gesundheitsminister sei befugt, eine Resolution des Rats anzunehmen oder abzulehnen, so Thaksin gegenüber der Presse. Ob ihm Somsaks Entscheidung jedoch persönlich nütze, wisse er nicht.

Auf Fragen zu geleakten Nachrichten aus einer LINE-Gruppe von Ratsmitgliedern, in denen Thaksin kritisiert worden sei, reagierte der Ex-Premier gereizt. Einer der Autoren sei ein hochrangiger Funktionär des Rates – seinen Namen wolle er bald öffentlich machen.

Bezüglich seiner geplanten Teilnahme an der Anhörung vor der Strafkammer des Obersten Gerichtshofs am 13. Juni kündigte Thaksin an, sich zunächst mit seinen Anwälten zu beraten.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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