Bangkok – Die thailändische Wirtschaft steht vor einer ihrer schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Nachdem Investitionen, Konsum und Exporte bereits seit Jahren an Kraft verloren haben, trifft nun auch der Tourismus – bislang die tragende Säule des Wachstums – auf eine ernüchternde Realität. Sinkende Besucherzahlen und ein schwächelndes BIP-Wachstum lassen die Hoffnungen der Bevölkerung auf wirtschaftliche Stabilität schwinden.
Im Jahr 2024 war der Tourismus noch Hoffnungsträger: Mit 1,4 Billionen Baht ausländischer Einnahmen belebte er die Konjunktur maßgeblich. Doch seit Februar 2025 hat sich das Blatt gewendet. Die Zahl ausländischer Touristen, die 2024 noch um 26,7 Prozent gestiegen war, ging drei Monate in Folge zurück – ein Novum seit fünf Jahren.
Die Folgen sind deutlich spürbar: Der Nationale Wirtschafts- und Sozialentwicklungsrat (NESDC) senkte die Wachstumsprognose für das BIP von 2,8 auf 1,8 Prozent. Auch IWF und Weltbank schlossen sich mit Prognosen von 1,8 bzw. 1,6 Prozent an. Ein einheimisches Forschungsinstitut zeigt sich noch pessimistischer mit nur 1,4 Prozent erwartetem Wachstum.
Dieser Rückgang bedeutet einen realen Wertverlust von 186 Milliarden Baht – mit weitreichenden Konsequenzen: geringere Steuereinnahmen, sinkender Konsum und steigende Zahlungsausfälle. Der Staatshaushalt für 2025 war ursprünglich auf Grundlage eines Wachstums von 3,3 Prozent kalkuliert worden – eine Annahme, die sich nicht mehr halten lässt. Experten schätzen, dass dem Staat Einnahmen in Höhe von mindestens 50 Milliarden Baht fehlen werden.
Die Regierung scheint angesichts der Entwicklungen zunehmend unter Druck zu geraten. Statt geplanter Konjunkturmaßnahmen wie dem 10.000-Baht-Bargeldprogramm greift man nun auf Übergangsprojekte zurück, die mit weniger Liquidität auskommen. Trotz der Möglichkeit zur Kreditaufnahme hat der Staat zuletzt 300 Milliarden Baht aus seinem Haushaltsbilanzkonto entnommen – einem Sparkonto, das eigentlich für Notfälle wie Naturkatastrophen vorgesehen ist. Dieses schrumpfte von 526 Milliarden auf nur noch 227 Milliarden Baht.
Auch der Binnenkonsum, einst ein Hoffnungsträger, zeigt Schwäche. Während 2024 der private Konsum das gesamte BIP-Wachstum von 2,5 Prozent trug, sank dessen Wachstumsbeitrag im ersten Quartal 2025 bereits auf 1,5 Prozent. Ohne Tourismus fehlt vielen Haushalten schlicht das Geld zum Ausgeben – das Konsumklima verschlechtert sich spürbar.
Besorgniserregend ist zudem die wachsende Gefahr einer Liquiditätskrise im Unternehmenssektor. Sollten Tourismus-Einnahmen 2025 um nur 10 Prozent zurückgehen – ein Rückgang um rund 140 Milliarden Baht – drohen Zahlungsausfälle bei Unternehmensanleihen. Über 200 Milliarden Baht an Firmenanleihen müssen im dritten Quartal refinanziert werden. Doch der Markt ist ausgetrocknet, und die thailändische Zentralbank darf gesetzlich nicht in den privaten Schuldenmarkt eingreifen.
Angesichts leerer Staatskassen, politischer Unentschlossenheit und steigender wirtschaftlicher Unsicherheiten wächst die Sorge, Thailand könne in eine ernste Finanzkrise schlittern. Die Parallelen zur Asienkrise von 1997 werden bereits gezogen. Ein führender Unternehmer brachte es auf den Punkt: „Dies ist die schwierigste Zeit seit 40 Jahren.“
Fazit:
Thailands letzter wirtschaftlicher Hoffnungsträger gerät ins Wanken. Der Tourismus allein kann die strukturellen Probleme nicht mehr auffangen. Ohne neue Impulse und eine solide Finanzpolitik droht der wirtschaftliche Abstieg – mit Folgen für Millionen von Menschen, die auf ein besseres Leben hofften.
STIN // AI