Kambodscha/Thailand – Inmitten wachsender Spannungen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze hat Thailands Premierministerin Paetongtarn Shinawatra die jüngsten Drohungen aus Phnom Penh, den Import thailändischer Waren auszusetzen, gelassen kommentiert. Sie betonte, dass Thailand bislang keine Maßnahmen zur Unterbrechung von Strom- oder Internetdiensten an Kambodscha ergriffen habe.
Die Reaktion der Regierungschefin folgt auf Anschuldigungen des kambodschanischen Senatspräsidenten Hun Sen, wonach Thailand angeblich zentrale Versorgungsleitungen unterbrochen habe – darunter auch Strom- und Internetverbindungen. Paetongtarn wies diese Vorwürfe entschieden zurück: „Unsere Regierung hat keine offiziellen Schritte zur Unterbrechung von Verbindungen an der Grenze eingeleitet.“
Zudem erklärte die 38-jährige Premierministerin, dass jede Entscheidung dieser Tragweite die vorherige Zustimmung des Nationalen Sicherheitsrats (NSC) erfordere. Die aktuelle Eskalation, so Paetongtarn, sei offenbar das Ergebnis eines Missverständnisses, möglicherweise ausgelöst durch falsch interpretierte oder durchgesickerte Informationen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, habe sie Gespräche mit Verteidigungsminister Phumtham Wechayachai und Außenminister Maris Sangiampongsa geführt.
Die Stellungnahme erfolgt im Vorfeld eines Treffens der Gemeinsamen Grenzkommission (JBC) zwischen Thailand und Kambodscha, das eine Deeskalation der Lage zum Ziel hat. Das thailändische Außenministerium signalisierte Gesprächsbereitschaft und kündigte an, die diplomatischen Kanäle nutzen zu wollen, um die Lage im nationalen Interesse zu klären.
Unterdessen hat Kambodschas Premierminister Hun Manet die Aussetzung von Internetimporten aus Thailand angeordnet – ein Schritt, der die ohnehin belasteten Beziehungen weiter erschweren könnte. Auch der Konsum thailändischer Fernsehserien soll eingeschränkt werden. Kambodscha erwägt zudem einen Importstopp für thailändische Produkte und die Rückführung kambodschanischer Arbeiter.
Innenminister Anutin Charnvirakul erklärte, Thailand sei grundsätzlich bereit, auf Anweisung der Sicherheitsbehörden die Versorgung mit Strom, Wasser und Internet auszusetzen. Zugleich betonte er den Wunsch nach Deeskalation: „Wir hoffen, dass beide Seiten weiterhin friedlich zusammenleben können.“
Während die diplomatischen Drähte heiß laufen, bekräftigte Paetongtarn die Bedeutung einer professionellen, lösungsorientierten Herangehensweise: „Jede Maßnahme muss auf sorgfältiger Prüfung beruhen und mit nationalem Interesse im Fokus erfolgen.“
Eine offizielle Erklärung zum Verlauf der JBC-Sitzung wird nach Abschluss des Treffens erwartet.
Redaktion STIN // CTN-Media