Bangkok – Die Energiesicherheit Thailands steht auf dem Prüfstand: Wie das Thailand Development Research Institute (TDRI) warnt, könnten geopolitische Spannungen im Nahen Osten gravierende Folgen für die thailändische Energieversorgung haben. Hintergrund ist eine mögliche Schließung der Straße von Hormus durch den Iran – eine der wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten für Öl- und Gastransporte.
Laut Dr. Areeporn Asawinpongphan, Energieexpertin beim TDRI, werden rund ein Drittel der thailändischen Energieimporte über diese Meerenge abgewickelt. Ein iranischer Gesetzesbeschluss zur Blockade ist zwar bereits vom Parlament gebilligt, muss jedoch noch durch den Nationalen Sicherheitsrat und den obersten Führer des Landes bestätigt werden. Kommt es zur Umsetzung, drohen globale Marktverwerfungen – inklusive einem Anstieg der Ölpreise auf über 100 US-Dollar pro Barrel.
Kurzfristige Abfederung möglich – aber nicht nachhaltig
Thailand verfügt über mehrere Instrumente, um kurzfristige Preisschocks abzumildern. Dazu gehören Subventionen über den Ölfonds, eine strategische Erdölreserve für 60 Tage sowie mögliche Steuersenkungen auf Kraftstoffe. Bereits jetzt wird Diesel mit 65 Satang pro Liter gestützt. Doch für eine koordinierte Umsetzung dieser Maßnahmen bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Energie- und Finanzministerium, so Dr. Areeporn.
Besonders verwundbar: Der Stromsektor
Ein besonders kritischer Bereich ist Thailands Stromsektor. Rund 30 Prozent des importierten Flüssigerdgases (LNG), das für die Stromerzeugung genutzt wird, stammen aus dem Nahen Osten. Ein Anstieg der LNG-Preise würde die Stromkosten deutlich in die Höhe treiben. Zwar hat die Regierung die Stromtarife aktuell bei 3,99 Baht pro Kilowattstunde gedeckelt – doch dies bedeutet eine hohe finanzielle Belastung für staatliche Energieversorger wie PTT und die thailändische Elektrizitätsbehörde, die auf lange Sicht staatliche Ausgleichszahlungen erfordern.
Langfristige Strategien für mehr Resilienz gefordert
Zur Stärkung der Energiesicherheit empfiehlt das TDRI, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten durch den Ausbau sauberer, heimischer Energiequellen zu reduzieren. Allein mit erneuerbaren Energien lasse sich die Netzstabilität jedoch nicht gewährleisten. Investitionen in drei Schlüsseltechnologien seien entscheidend: Energiespeicher, intelligente Stromnetze und flexible Nachfragesteuerung (Demand-Response-Systeme).
Zudem schlägt das Institut vor, die strategische Ölreserve über die bisherige Kapazität von 60 Tagen hinaus zu erweitern – als langfristige Maßnahme zur Stabilisierung in Krisenzeiten.
Plädoyer für strategische Energiepolitik
Dr. Areeporn mahnt ein grundsätzliches Umdenken an: „Angesichts zunehmend häufiger geopolitischer Spannungen und extremer Wetterlagen muss die Regierung vorausschauend handeln, anstatt lediglich auf akute Probleme zu reagieren.“
Thailand müsse seine Energiestrategie systematisch an drei Säulen ausrichten: Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und ökologische Nachhaltigkeit. Nur mit gezielten Reformen und strategischen Investitionen lasse sich ein resilienter, zukunftsfähiger Energiesektor aufbauen.
Redaktion STIN // CTN-Media