Teheran – Nach einer zwölftägigen Eskalation zwischen Israel und dem Iran hat US-Präsident Donald Trump eine Waffenruhe verkündet. Die Einhaltung der Vereinbarung bleibt jedoch fragil, während die Region weiterhin unter Spannung steht.

Trump teilte auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social mit, dass die von ihm angestoßene Waffenruhe in Kraft getreten sei. „Bitte verstoßen Sie nicht dagegen!“, appellierte er an die Konfliktparteien. Die iranische Staatsführung bestätigte die Vereinbarung offiziell, während von israelischer Seite bislang keine offizielle Zustimmung vorliegt12.

Kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe hatten die iranischen Revolutionsgarden sechs Raketensalven auf Israel abgefeuert. Laut einem örtlichen Rettungsdienst kamen in Beerscheva mindestens fünf Menschen ums Leben, 20 weitere wurden verletzt. Es handelte sich um die bisher längste iranische Angriffswelle seit Ausbruch des Konflikts. Die israelische Armee gab kurz darauf Entwarnung: Die Bevölkerung könne die Schutzräume wieder verlassen.

Trump erklärte, dass zunächst der Iran für zwölf Stunden die Waffen schweigen lassen solle, gefolgt von Israel für weitere zwölf Stunden. Danach, so Trump, gelte der Krieg als beendet – voraussichtlich am Mittwochmorgen (MESZ). Ob die Waffenruhe jedoch von Dauer sein wird, bleibt offen. Bereits in den vergangenen Stunden griff die israelische Luftwaffe Raketenabschussrampen im Westen des Irans an und zerstörte diese. Die Anlagen seien für Angriffe auf Israel bereitgestellt gewesen, hieß es aus Militärkreisen.

Hintergrund und Eskalation

Trumps Ankündigung erfolgte wenige Stunden nach einem iranischen Vergeltungsschlag auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Katar. Die Raketen wurden abgefangen, es gab keine Verletzten. Laut Trump hatte der Iran die USA vorab gewarnt – der Angriff erschien somit als symbolischer Akt. Weitere Angriffe auf US-Basen seien derzeit nicht zu erwarten.

Im iranischen Staatsfernsehen wurde die Waffenruhe als „aufgezwungen“ bezeichnet. In der Nacht hatte das israelische Militär die Bewohner im Zentrum von Teheran zur Flucht aufgerufen. Aufgrund einer nahezu vollständigen Internetsperre und der Uhrzeit erreichte der Aufruf vermutlich nur wenige Menschen. Aus der Hauptstadt wurden in der Nacht Explosionen gemeldet.

Qatar als Vermittler – Trumps „Zwölftagekrieg“

US-Medienberichten zufolge kam die Waffenruhe dank der Vermittlung des Emirats Katar zustande. Qatar unterhält enge Beziehungen zu beiden Seiten. Trump bezeichnete den Konflikt als „Zwölftagekrieg“ und gratulierte Israel und dem Iran zum „Mut und zur Weisheit“, den Krieg zu beenden. „Das ist ein Krieg, der noch Jahre hätte andauern können, und der den ganzen Nahen Osten hätte zerstören können, aber so kam es nicht – und wird es nicht kommen“, schrieb er auf Truth Social.

Politische Bedeutung für Trump

Gelingt die Waffenruhe, wäre dies ein außenpolitischer Erfolg für Trump. Seine Strategie zielte darauf ab, das iranische Atomprogramm zu stoppen – zunächst durch Verhandlungen, notfalls durch militärische Drohungen. Trump wollte die USA nicht erneut in einen Nahost-Konflikt verwickeln, sondern sich auf innenpolitische und wirtschaftliche Themen konzentrieren. Nachdem Israel eigenständig gegen den Iran vorging, griffen die USA schließlich mit gezielten Angriffen auf iranische Atomanlagen ein. Trump betonte, die für das Atomprogramm entscheidenden Anlagen seien vollständig zerstört worden. Experten halten das genaue Ausmaß der Schäden jedoch noch für unklar.

Israels Kriegsziele und Irans Machterhalt

Israel hatte den Krieg vor gut zehn Tagen begonnen, um das iranische Atomprogramm zu stoppen und die von Teheran ausgehende Gefahr zu neutralisieren. Die iranische Führung betont stets, ihr Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken. Nach den massiven israelischen Angriffen scheint die iranische Führung eine weitere Eskalation zu fürchten – ein großer Krieg hätte das Machtgefüge im Land bedrohen können. Israel dürfte seine Ziele im Hinblick auf das Atomprogramm als erfüllt ansehen, während die Teheraner Führung durch die Waffenruhe ihre Macht sichern kann.

Fazit

Die Waffenruhe markiert eine Zäsur im sogenannten „Zwölftagekrieg“. Ob sie die Region dauerhaft befrieden wird, bleibt ungewiss. Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie brüchig Friedensinitiativen im Nahen Osten sind – und wie schnell die Lage erneut eskalieren kann

 

Von stin

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