Preah Vihear/Bangkok – Nach über 30 Jahren enger politischer Verbindungen zur Familie Shinawatra hat Kambodschas Langzeitmachthaber Hun Sen überraschend mit der neuen thailändischen Premierministerin Paetongtarn Shinawatra gebrochen – und ihr in einem scharf formulierten öffentlichen Statement sogar Landesverrat vorgeworfen.
Der politische Eklat nahm seinen Anfang mit dem Bekanntwerden eines vertraulichen Gesprächs zwischen Hun Sen und Paetongtarn, das durch Mitarbeiter des kambodschanischen Ex-Premiers an die Öffentlichkeit gelangte. In der Aufnahme kritisiert die thailändische Regierungschefin den thailändischen Regionalkommandeur Generalleutnant Boonsin Padklang scharf. Wörtlich nennt sie ihn einen „Gegner Thailands“, der „alles sage, um cool dazustehen“.
Hun Sen reagierte am Freitag während eines öffentlichen Auftritts in der nordkambodschanischen Provinz Preah Vihear mit ungewöhnlich deutlichen Worten. Es sei inakzeptabel, das eigene Militär gegenüber einem ausländischen Gesprächspartner zu kritisieren, sagte er. „Wenn ein Regierungschef sein eigenes Militär herabwürdigt, um bei einem ausländischen Staatsmann Eindruck zu machen, dann ist das Verrat“, erklärte er unter Applaus.
Hun Sen zeigte sich besonders enttäuscht angesichts der langen Verbindung zu Paetongtarns Familie. „Ich bedaure, dass die Tochter eines Freundes eine 30-jährige Freundschaft zerstört hat“, sagte er. Die Beziehungen zur Familie Shinawatra – insbesondere zu Thaksin Shinawatra, dem früheren Premierminister Thailands – galten bislang als eng. Thaksin war 2009 nach seiner Flucht vor einem Korruptionsprozess sogar als Wirtschaftsberater von Hun Sen berufen worden. Später beherbergte der kambodschanische Staatschef sowohl Thaksin als auch dessen Schwester Yingluck in seiner Residenz, benannte Zimmer nach ihnen und lud sie zu privaten Feiern ein.
Nun aber ist das Verhältnis offenbar schwer beschädigt. Hun Sen warf Paetongtarn vor, Generalleutnant Boonsin bewusst beleidigt zu haben, um sich politisch bei ihm anzubiedern. „Sie wissen zu wenig über Hun Sen, um zu glauben, Sie könnten mich mit solchen Taktiken in Verhandlungen täuschen“, sagte er mit Blick auf die thailändische Regierungschefin.
Ob die harschen Worte politische Konsequenzen zwischen den Nachbarstaaten nach sich ziehen, bleibt offen. In Thailand selbst löste die Veröffentlichung der Aufnahme bereits eine Welle der Kritik aus. Beobachter sprechen von einem außenpolitischen Dämpfer für die noch junge Regierung in Bangkok – und von einem diplomatischen Tabubruch, der weit über persönliche Enttäuschung hinausgehen dürfte.
Redaktion STIN // CTN-Media