Hun Sen, der mehr als drei Jahrzehnte lang das politische Leben Kambodschas prägte, ist eine der umstrittensten und zugleich einflussreichsten Figuren in der modernen Geschichte des Landes. Von einem jungen Roten Khmer-Kommandeur entwickelte er sich zu einem autoritären Langzeitherrscher, dessen politisches Wirken weit über seine Amtszeit hinaus Spuren hinterlässt.

Vom Bürgerkrieg an die Macht

Geboren 1952 in der Provinz Kampong Cham, trat Hun Sen als Teenager den Roten Khmer bei, jener kommunistischen Guerillabewegung, die später für den Genozid in Kambodscha verantwortlich war. Nach internen Machtkämpfen floh Hun Sen Ende der 1970er Jahre nach Vietnam. Mit vietnamesischer Unterstützung kehrte er zurück und spielte eine zentrale Rolle beim Sturz des Regimes von Pol Pot im Jahr 1979.

Hun Sens politischer Aufstieg verlief rasant: 1985, im Alter von nur 32 Jahren, wurde er Premierminister der von Vietnam gestützten Volksrepublik Kampuchea. Er sollte dieses Amt mit kurzen Unterbrechungen bis 2023 innehaben.

Herrschaft zwischen Stabilität und Repression

Unter Hun Sens Führung erlebte Kambodscha nach Jahren des Bürgerkriegs und der Gewalt eine Phase relativer Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwungs. Straßen, Schulen und Krankenhäuser wurden gebaut, und das Land zog zunehmend internationale Investoren an. Viele Beobachter schreiben ihm zu, dass er maßgeblich dazu beitrug, Kambodscha aus dem Chaos der 1980er Jahre zu führen.

Gleichzeitig geriet seine Regierungsführung immer wieder in die Kritik. Menschenrechtsorganisationen und westliche Regierungen warfen ihm vor, durch ein System der Einschüchterung, Medienkontrolle und Justizwillkür seine Macht zu sichern. Oppositionsparteien wurden verboten oder massiv behindert, prominente Kritiker inhaftiert oder ins Exil gezwungen. Auch unabhängige Medien wurden zunehmend mundtot gemacht.

Hun Sen selbst rechtfertigte sein Vorgehen stets mit der Notwendigkeit, Stabilität und nationale Einheit zu wahren. Kritiker sehen jedoch vor allem ein autokratisches System, das seine persönliche Herrschaft zementierte.

Ein dynastischer Übergang

2023 trat Hun Sen schließlich offiziell zurück und übergab die Amtsgeschäfte an seinen ältesten Sohn, Hun Manet, einen westlich ausgebildeten General. Der Schritt wurde international als dynastischer Machttransfer interpretiert – weniger als echter demokratischer Wandel.

Bis heute bleibt Hun Sen Vorsitzender der mächtigen Kambodschanischen Volkspartei (CPP) und hält sich eine herausragende Rolle im politischen Hintergrund offen. Viele Analysten gehen davon aus, dass er weiterhin erheblichen Einfluss auf die Regierung ausübt.

Ein ambivalentes Erbe

Hun Sens Erbe ist komplex: Einerseits der Wiederaufbau eines kriegszerstörten Landes und die Einbindung Kambodschas in die globale Wirtschaft; andererseits ein autoritäres System, das politische Freiheiten stark einschränkte.

Was bleibt, ist das Bild eines Politikers, der aus den Wirren der Revolutionen und Bürgerkriege emporstieg und sein Land nach seinen eigenen Vorstellungen formte – mit allen Licht- und Schattenseiten, die dies mit sich brachte.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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