Teheran – Tausende Iranerinnen und Iraner haben in der Hauptstadt an einer großen, staatlich organisierten Trauerfeier für ranghohe Mitglieder der Revolutionsgarden teilgenommen. Anlass war der Tod von Dutzenden Generälen, die bei gezielten israelischen Angriffen während des jüngsten Nahost-Konflikts ums Leben kamen. Unter den Toten befinden sich mehrere prominente Persönlichkeiten mit erheblichem politischem und ideologischem Einfluss im Iran.
Die Zeremonie begann am Morgen auf dem Platz der Revolution im Zentrum Teherans. Von dort bewegte sich der Trauerzug in Richtung Platz der Freiheit – ein symbolträchtiger Ort, elf Kilometer entfernt. Laut offiziellen Angaben sollte mit dem Marsch rund 60 getöteter Militärs und Atomwissenschaftler gedacht werden. Das staatliche Fernsehen zeigte emotionale Bilder von Teilnehmern, die iranische Flaggen trugen und Porträts der Verstorbenen hochhielten.
Unter den Getöteten: Generalstabschef Mohammad Bagheri, IRGC-Kommandeur Hossein Salami sowie Amir-Ali Hadschisadeh, der die Luft- und Raumfahrtabteilung der Revolutionsgarden leitete. Auch der renommierte Atomphysiker Mohammad Mehdi Tehrantschi kam bei den Angriffen ums Leben. Die drei Militärs galten als strategisches Kernteam innerhalb der iranischen Machtstrukturen – nicht nur in Sicherheitsfragen, sondern auch in politischen und ideologischen Fragen.
„Die Zeremonie zum Gedenken an die Märtyrer hat offiziell begonnen“, verkündete eine Sprecherin des Staatsfernsehens. Die Inszenierung des Gedenkens verdeutlichte den hohen Stellenwert, den das Regime den Verstorbenen beimisst.
Blutige Bilanz eines zwölftägigen Krieges
Der Trauerakt findet wenige Tage nach einer Waffenruhe statt, die am Dienstag in Kraft trat. Der jüngste militärische Schlagabtausch begann mit einem massiven israelischen Angriff am 13. Juni. Ziel waren vor allem iranische Atomanlagen sowie militärische Infrastruktur. Die israelische Armee tötete dabei laut eigenen Angaben mehr als 20 hochrangige Offiziere – einige davon in ihren Privathäusern.
Der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf israelisches Gebiet. Auch die USA griffen im weiteren Verlauf iranische Nuklearstandorte an. Nach internationalen Vermittlungen kam es am Wochenende zur Einigung auf eine Waffenruhe.
Nach Angaben der iranischen Behörden forderten die israelischen Angriffe mehr als 600 zivile Todesopfer und fast 4900 Verletzte. Israel hingegen beklagt 28 Tote durch iranische Gegenangriffe.
Während die diplomatischen Bemühungen zur Stabilisierung der Lage andauern, wächst im Iran der innenpolitische Druck – und zugleich der Kult um die gefallenen Militärs, die nun von offiziellen Stellen als „Märtyrer des Widerstands“ gefeiert werden.