Bangkok – Manche ziehen den Vergleich zu einem Überlebenden eines Flugzeugabsturzes – ein drastisches Bild, aber eines, das die derzeitige politische Rolle von Anutin Charnvirakul treffend beschreibt. Inmitten eines zunehmend zerbröckelnden konservativen Lagers hat er sich – ob aus Überzeugung oder aus kluger Opportunität – als einer der letzten starken Akteure etabliert.
Der Wendepunkt kam, als die Bhumjaithai-Partei beschloss, sich von der Koalition um Paetongtarn Shinawatra zu trennen. Auslöser war das Bekanntwerden eines abgehörten Telefongesprächs zwischen thailändischen und kambodschanischen Führungspersonen – ein Skandal, der die politischen Fronten neu sortierte.
Seitdem wird intensiv darüber diskutiert, ob Anutin aus Überzeugung handelte, ob er die Situation nur für eigene Vorteile nutzte oder ob er schlichtweg unter dem Druck der Pheu Thai-Partei, die das Innenministerium massiv attackierte, keine andere Option mehr hatte. Unstrittig ist jedoch: Während die aktuellen Proteste das Regierungsbündnis erschüttern, das er einst mittrug, dürfte Anutin zu den Erleichterten gehören, die nun von der Seitenlinie aus zusehen.
Die entscheidende Frage lautet: Kann er sich als neuer konservativer Hoffnungsträger behaupten? Ob gezielt oder durch die Dynamik der Ereignisse – sein politisches Gewicht wächst. Anutin ist inzwischen populärer als Prawit Wongsuwan, seine Bhumjaithai-Partei wirkt geschlossener und stabiler als die angeschlagene Palang Pracharath-Partei.
Zwar genießt er noch nicht die Popularität eines Prayuth Chan-o-cha, doch in den oft brutalen Machtspielen des Parlaments scheint er derzeit die besseren Karten zu haben – es sei denn, es kommt zu einer politischen Ausnahmesituation, die neue Kräfte erfordert.
Für die konservativen Führungspersonen innerhalb der von Pheu Thai geführten Koalition scheint das Spiel jedoch weitgehend verloren – zumindest ideologisch.
Anutin galt lange als potenzieller Premierminister, doch bislang war er nie die erste Wahl der Konservativen. Jetzt, da sich deren politische Alternativen deutlich verknappt haben, ist seine Zeit womöglich gekommen. Seine Chancen stehen so gut wie nie.
STIN // AI
Man wird leichter beliebter, wenn die anderen auf den Abgrund zusteuern. 🙂
Also mein Wunsch bleibt bestehen: Volkspartei und BJT, vielleicht noch mit DP u.a. – sollten eine
Koalition bilden und die PT zum Teufel jagen, wenn das nun nicht schon die Thais machen.