Bangkok – Ein thailändisches Gericht hat den Briten William Reece Bilton zu einer Haftstrafe von 21 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der 33-Jährige wurde des Menschenhandels mit einer Minderjährigen und der sexuellen Ausbeutung schuldig gesprochen. Bilton hatte ein 16-jähriges Mädchen zur Prostitution gezwungen und es in Pattayas berüchtigter Soi 6, einem Zentrum des Sextourismus, in seiner eigenen Bar, der „Flirt Bar“, arbeiten lassen.
Bilton bewarb das Opfer offen über soziale Netzwerke, unter anderem auf der Facebook-Seite seines Lokals. Er wurde im April 2023 im Zuge einer groß angelegten Razzia der thailändischen Polizei festgenommen, nachdem er gefilmt worden war, wie er potenziellen Kunden das Mädchen anbot. Bei der Aktion durchsuchte die Polizei zahlreiche Bars in Soi 6, um gegen den Menschenhandel und die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger vorzugehen.
Neben Bilton wurden auch zwei thailändische Männer, die das Lokal mitbetrieben, zu jeweils 21 Jahren Haft verurteilt. Eine thailändische Frau erhielt drei Jahre Haft und eine Geldstrafe, da sie ein nicht registriertes Sexgewerbe betrieb. Vom Vorwurf des Menschenhandels wurde sie jedoch freigesprochen.
Die Ermittlungen ergaben, dass Bilton gemeinsam mit Komplizen gezielt Frauen aus ärmeren Regionen Thailands, insbesondere aus dem Nordosten, anlockte. Ihnen wurden vermeintlich seriöse Jobs versprochen, doch vor Ort wurden sie zur Prostitution gezwungen – teils für nur 1.000 Baht pro Kunde. Beweise aus Videoaufnahmen, Social-Media-Werbung und Zeugenaussagen führten letztlich zu Biltons Verurteilung.
Der Fall schlug in Thailand hohe Wellen und löste verstärkte Polizeikontrollen in Pattayas Nachtleben aus. In den Wochen nach der Verhaftung wurden weitere Razzien durchgeführt, bei denen zahlreiche Bars und Nachtlokale durchsucht und illegale Sexarbeiterinnen festgenommen wurden. Auch ausländische Frauen – unter anderem aus Usbekistan und Uganda – wurden bei illegaler Arbeit entdeckt und zur Abschiebung vorgemerkt.
Die thailändischen Behörden sehen Biltons Fall als wichtigen Erfolg im Kampf gegen Menschenhandel, der auch international Aufmerksamkeit erregte. Kritiker bemängeln jedoch, dass solche Razzien oft nur oberflächlich seien und tiefere strukturelle Probleme – wie Korruption und die enge Verflechtung von Sexindustrie und Tourismus – unberührt ließen.
Die Betreiberfirma der „Flirt Bar“ wies die Vorwürfe von sich und erklärte, keine Kenntnis von der Beschäftigung Minderjähriger gehabt zu haben. Dennoch bleibt der Fall ein mahnendes Beispiel dafür, wie skrupellos Menschenhändler soziale Medien nutzen, um ihre Opfer öffentlich anzubieten.
Thailands Polizei betont, entschlossen gegen die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger vorzugehen – auch wenn Aktivisten fordern, dass es weit mehr als punktuelle Verhaftungen braucht, um das System nachhaltig zu verändern.
STIN // AI