Bangkok – Der frühere thailändische Finanzminister Korn Chatikavanij hat scharfe Kritik an Thailands Verhandlungsstrategie im Handelsstreit mit den USA geübt. Bei einem öffentlichen Auftritt erklärte er, Thailand habe die US-amerikanische Position bei den Zollgesprächen grundlegend falsch eingeschätzt. Während die thailändische Seite auf einen „Win-Win-Ansatz“ gesetzt habe, betrachteten die USA das Handelsverhältnis als unausgewogen – zugunsten Thailands.

„Die Vereinigten Staaten sehen in Thailand einen langjährigen Überschusspartner“, sagte Korn. „Sie sind nicht mehr bereit, dies hinzunehmen.“ Die Folge: ein Strafzoll von 36 Prozent auf thailändische Exporte – der höchste Zollsatz in der Geschichte der bilateralen Handelsbeziehungen, wie Korn betonte.

Die Aussicht auf ein für beide Seiten vorteilhaftes Abkommen sei angesichts der dominanten US-Position gering. Als positives Beispiel nannte Korn Vietnam, das selbstbewusst Nullzölle auf US-Importe angeboten habe – aus Überzeugung, trotz offener Märkte international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Korn stellte zudem die Strategie des aktuellen Verhandlungsteams unter der Führung von Finanzminister Pichai Chunhavajira in Frage. Er deutete an, dass möglicherweise innenpolitische Interessen eine Rolle spielen könnten.

Auch Phiphat Luengnaruemitchai, Chefökonom der Kiatnakin Phatra Bank, sieht die Entscheidung der Trump-Regierung als deutliches Zeichen der Unzufriedenheit mit Thailands Haltung. Dennoch gebe es noch Spielraum für Verhandlungen, so der Experte. Sollte es jedoch bei den hohen Zöllen bleiben, drohe Thailand gegenüber Konkurrenten wie Vietnam und Mexiko erheblich an Wettbewerbsfähigkeit auf dem US-Markt zu verlieren.

Phiphat warnte außerdem vor weitreichenden Konsequenzen im Inland. Um Gegenzugserleichterungen zu erreichen, müsse Thailand möglicherweise seinen Agrarsektor für US-Importe öffnen – ein Schritt, der breite Bevölkerungsschichten betreffen könnte.

Der Experte sprach sich daher gegen den bisherigen Win-Win-Ansatz aus. Stattdessen plädierte er für einen realistischeren „Geben-und-Nehmen“-Kurs. Zugleich mahnte er die Regierung, Maßnahmen zu ergreifen, um negative Auswirkungen für die Bevölkerung abzufedern.

Phiphat rief außerdem zu enger Zusammenarbeit zwischen den Finanz-, Handels- und Landwirtschaftsministerien sowie dem privaten Sektor auf. Thailand müsse signalisiert werden, dass das Land bereit sei, sich für Hightech-Investitionen aus dem Ausland zu öffnen – etwa im Bereich Elektromobilität, KI-Hardware und digitale Infrastruktur. Nur mit attraktiven Investitionsanreizen könne man verlorenes Vertrauen wiedergewinnen.

Langfristig solle Thailand seine Handelsstrategie diversifizieren, empfahl der Ökonom. Der Abschluss neuer Freihandelsabkommen mit der EU, der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) und dem Golf-Kooperationsrat sei essenziell, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren und neue Absatzmärkte zu erschließen.

 

Von stin

1 Kommentar
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Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
1 Jahr vor

Da sieht man die angeblichen Verhandler haben nichts erreicht!
Die Zölle die Thailand erhebt sind eindeutig zu hoch.
Die bekannte Angst 😁 das alles was aus dem Ausland kommt besser ist!

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