Die politische Landschaft Thailands erfährt eine markante Verschiebung: Inmitten wachsender Unzufriedenheit mit der Regierungspartei Pheu Thai verzeichnet deren politischer Rivale, die Palang Pracharath Partei (PPRP), überraschende Erfolge – insbesondere im traditionell roten Kernland Nordostthailand.
Ehemalige Abgeordnete der Pheu Thai-Partei, die über Jahre hinweg als zuverlässige Stützen des politischen Apparats galten, wechseln nun reihenweise ins Lager der PPRP. Diese Entwicklung deutet nicht nur auf interne Krisen innerhalb der Regierungspartei hin, sondern könnte auch weitreichende Folgen für die politische Stabilität haben.
Einst Verbündete, heute Kontrahenten
Ein besonders symbolischer Wechsel: Wiwatchai Hotrawaisaya, langjähriger Abgeordneter aus Si Sa Ket und einst enger Weggefährte des ehemaligen Premierministers Thaksin Shinawatra, hat sich von der Pheu Thai-Partei abgewandt. Noch Anfang des Jahres hatte Thaksin persönlich für ihn Wahlkampf gemacht und ihn als treuen Mitstreiter der Thai Rak Thai-Zeit gepriesen. Dennoch verlor Wiwatchai deutlich gegen den Kandidaten der PPRP – ein Rückschlag, der nun in einem klaren politischen Kurswechsel mündete.
Wiwatchais Entscheidung hat Signalwirkung. Gemeinsam mit dem ehemaligen Yasothon-Abgeordneten Piyawat Pansaicheua unterstützt er nun aktiv die PPRP. Beide Politiker gelten als Schlüsselfiguren in ihren jeweiligen Provinzen. Die PPRP verkündete am 8. Juli stolz die Nominierung von 21 neuen Parlamentskandidaten – fast alle mit roter Vergangenheit.
Gründe für die Abkehr
Die Ursachen für den Vertrauensverlust gegenüber der Pheu Thai-Partei sind vielfältig. Besonders belastend wirken der jüngst publik gewordene Audiomitschnitt zwischen Premierministerin Paetongtarn Shinawatra und dem ehemaligen kambodschanischen Premierminister Hun Sen, sowie die umstrittene Neuverteilung von Ministerposten. Das frühere Quotenmodell, das regionale Repräsentation garantierte, scheint zugunsten wirtschaftlicher und parteipolitischer Allianzen geopfert worden zu sein.
Zudem beklagen viele Abgeordnete mangelnde Unterstützung durch den „Big Boss“ – Thaksin selbst. In ihren Augen hat sich die Parteispitze von der Basis entfremdet. Die jüngste NIDA-Umfrage bestätigt den Trend: Im zweiten Quartal 2025 ist die Zustimmung zur Pheu Thai-Partei, besonders im Nordosten, drastisch gesunken.
Neue Gesichter, neue Hoffnung für die PPRP
In diesem politischen Vakuum positioniert sich General Prawit Wongsuwan, Parteivorsitzender der Palang Pracharath Partei, zunehmend als ernstzunehmende Alternative. Mit dem Rückhalt ehemaliger Pheu Thai-Kader und dem Rückenwind wachsender Unzufriedenheit stellt er sich als möglicher Premierministerkandidat in Stellung – insbesondere, sollte Paetongtarn durch juristische Verwicklungen zum Rücktritt gezwungen werden.
Auch General Boonsin Phadkhlang, Kommandeur der 2. Armee und selbst aus dem Nordosten stammend, gewinnt durch seinen klaren Kurs zur Wahrung der nationalen Souveränität an Zuspruch in der Bevölkerung. Die Enttäuschung über die Regierungspartei scheint ihm und anderen konservativen Kräften in die Karten zu spielen.
Verlorenes Vertrauen in Si Sa Ket und Yasothon
Der Umbruch zeigt sich nicht nur in Umfragen, sondern konkret auf der Straße: In Si Sa Kets Bezirk Sriratana eröffnete Wiwatchai im Juni ein neues Wahlkampfbüro – diesmal mit dem Emblem der PPRP. Auch in Yasothon will Piyawat einen politischen Neustart wagen, während seine einstige Gegnerin Supaporn Salabsri von Thai Sang Thai inzwischen offen eine Rückkehr zur Pheu Thai erwägt.
Diese politischen Rochaden verdeutlichen: Die einst festgefügte Machtbasis der Pheu Thai im Nordosten bröckelt. Die Partei, die über zwei Jahrzehnte hinweg auf die unerschütterliche Loyalität der roten Hochburgen zählen konnte, steht nun vor einer Vertrauenskrise historischen Ausmaßes.
Fazit:
Der Exodus ehemaliger Weggefährten und das Abflauen des „Thaksin-Charmes“ markieren eine neue Phase der politischen Unsicherheit in Thailand. Sollte der Trend anhalten, könnte nicht nur die Zukunft von Paetongtarn Shinawatra, sondern auch die der gesamten Regierung auf dem Spiel stehen – möglicherweise mit einer vorzeitigen Parlamentsauflösung als Folge.
Redaktion STIN // CTN-Media