Bangkok – Der frühere thailändische Premierminister Thaksin Shinawatra hat überraschend das Ende seiner langjährigen Freundschaft mit Kambodschas Ex-Regierungschef Hun Sen erklärt. In ungewöhnlich scharfen Worten zeigte er sich entsetzt über den Umgang des kambodschanischen Politikers mit seiner Tochter Paetongtarn Shinawatra, der aktuellen – jedoch suspendierten – Premierministerin Thailands.

„Wir standen uns einmal sehr nahe, fast wie Brüder. Aber nach dem, was er meiner Tochter angetan hat, war ich schockiert. Die Beziehung ist für mich vorbei“, sagte Thaksin bei einem öffentlichen Seminar der Nation Group.

Hintergrund des Zerwürfnisses ist die Veröffentlichung eines vertraulichen Gesprächs zwischen Hun Sen und Paetongtarn, das sich um Spannungen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze drehte. In dem Mitschnitt bezeichnete Paetongtarn Hun Sen als „Onkel“ und versprach, alles zu tun, was er verlange. Gleichzeitig äußerte sie sich kritisch über einen thailändischen Militärkommandeur. Diese Aussagen führten in Thailand zu scharfer Kritik und warfen Fragen nach der politischen Urteilsfähigkeit der Premierministerin auf.

In der Folge wurde Paetongtarn vom Verfassungsgericht wegen mutmaßlicher ethischer Verstöße vorübergehend vom Amt suspendiert. Thaksin verteidigte sie und erklärte, sie sei „in eine Falle gelockt“ worden. Hun Sen habe nach einem Gespräch angesichts der Grenzkonflikte gebeten, woraufhin Paetongtarn sich mit einer Delegation in einem Hotel in Bangkok eingefunden habe. Dort habe man stundenlang auf einen Anruf gewartet – vergeblich. Später sei sie dann von Hun Sen angerufen worden, vermutlich um das Gespräch ohne ihr Wissen aufzuzeichnen.

„Sie wollte schlicht einen Kompromiss finden – aus persönlicher Loyalität“, sagte Thaksin. „Aber es war ein Fehler, Hun Sen zu vertrauen.“

Erstmals äußerte sich der Ex-Premier auch zur angespannten Lage an der Grenze. Besonders empört zeigte er sich darüber, dass 12.000 Soldaten mobilisiert wurden. „Unsere Kinder sind die Regierungschefs beider Länder – ziehen wir jetzt etwa in den Krieg?“, habe er über einen Vermittler an Hun Sen ausrichten lassen. Ein direktes Gespräch habe er vermieden, um einen möglichen Wutausbruch zu verhindern.

Eine persönliche Reaktion Hun Sens auf die Kritik blieb bislang aus. Thaksin erklärte, er habe ihm lediglich die Botschaft übermitteln lassen: „Was Sie getan haben, hat sowohl Ihnen als auch mir geschadet.“ Hun Sen habe darauf nicht reagiert. Thaksin zeigte sich überzeugt: „Er hat uns nicht zerstört – er hat sich selbst zerstört. Er hat keine Glaubwürdigkeit mehr.“

Trotz der Spannungen betonte Thaksin, dass er nicht mit einem offenen Krieg zwischen Thailand und Kambodscha rechne. „Es ist ein Grenzkonflikt, aber wir können noch miteinander sprechen“, sagte er.

Bei dem öffentlichen Auftritt wurde Thaksin von seiner Tochter Paetongtarn und deren Ehemann begleitet – ein deutliches Zeichen familiärer Geschlossenheit inmitten der politischen Krise.

 

STIN // AI

Von stin

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