Bangkok – Beim „55 Years Nation Exclusive Talk: Breaking Through Thailand’s Crisis Chapter 1“ am 9. Juli im Eastin Grand Phayathai Hotel sprach der ehemalige Premierminister Thaksin Shinawatra offen über die aktuelle politische Lage Thailands. Im Gespräch mit drei Chefredakteuren der Nation Group ging es unter anderem um die Regierungsarbeit, die Rolle der Bhumjaithai-Partei und mögliche Szenarien zur Stabilisierung des Landes.

Regierung muss liefern – Bhumjaithai nicht zum Rücktritt gedrängt

Thaksin wies Spekulationen zurück, wonach er die Bhumjaithai-Partei zum Austritt aus der Regierungskoalition gedrängt habe. „Ich wollte nicht, dass sie gehen“, stellte er klar. Der Rückzug sei eigenständig erfolgt – eine Entscheidung, die laut Thaksin vor allem im Streit um die Kontrolle des Innenministeriums wurzelt.

„Die Premierministerin sagte mir, sie wolle, dass Bhumjaithai bleibt. Doch als sich die Gelegenheit bot – insbesondere im Zusammenhang mit der Situation rund um Hun Sen – haben sie diese genutzt“, so Thaksin.

Gleichzeitig betonte er, dass die von Pheu Thai geführte Regierung unter Druck stehe, Resultate zu liefern – insbesondere bei der Drogenbekämpfung, Armutsreduktion und Schuldenkontrolle. Diese Bereiche seien ohne reibungsloses Funktionieren des Innenministeriums schwer umzusetzen.

Politisches Machtstreben sorgt für Instabilität

Zur allgemeinen Lage sagte Thaksin: „Viele wollen Premierminister werden, koste es, was es wolle. Das führt manchmal zu verzweifelten Handlungen.“ Dennoch sei es Aufgabe der Regierung, Herausforderungen direkt anzugehen: „Regieren bedeutet, Probleme zu lösen – nicht, sie zu tragen.“

In Bezug auf die politische Stabilität betonte er die Bedeutung der Anpassung an moderne Bedingungen. Die „Kriegsregeln“ von früher seien nicht mehr gültig. Thailand müsse sich an die heutigen Realitäten anpassen.

Vertrauen in Paetongtarn und mögliche Alternativen

Auf die Frage, ob er sich um eine mögliche Amtsenthebung von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra sorge, zeigte sich Thaksin gelassen: „Ich glaube, eine Suspendierung dient eher zur Beruhigung. Ich vertraue auf den Rechtsweg und auf die Integrität meines Kindes.“

Sollte es dennoch zu einem Führungswechsel kommen, brachte Thaksin Chaikasem Nitisiri als möglichen Kandidaten ins Spiel. Alternativ könne auch eine Parlamentsauflösung notwendig werden.

Rückblick und Ausblick auf Koalitionen

Thaksin zeigte sich enttäuscht über die Entwicklung der Beziehung zur Bhumjaithai-Partei – zum zweiten Mal nach dem Bruch im Jahr 2008. Damals wie heute sei Vertrauen das zentrale Problem gewesen.

Ein mögliches Bündnis mit der konservativen Volkspartei schloss er derzeit aus, betonte aber: „Das heißt nicht, dass wir Feinde sind. Eine Zusammenarbeit ist möglich, wenn politische Grundsatzfragen geklärt sind.“

Er versicherte, dass die Regierung derzeit geschlossen agiere. Wichtig sei, dass Abgeordnete nicht das Parlament verlassen und die Koalition stabil bleibe.


Fazit:
Thaksin äußerte sich kämpferisch und zugleich versöhnlich: Er forderte sichtbare Regierungsarbeit, sprach über mögliche politische Optionen und mahnte zur Einigkeit. Der Rückzug Bhumjaithais mag eine Zäsur bedeuten – doch für Thaksin ist der Weg zu Stabilität offen, sofern man ihn entschlossen beschreitet.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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