Bangkok – Der frühere Anführer der Rothemden und politische Kommentator Jatuporn Prompan hat Zweifel an der Aufrichtigkeit der jüngsten öffentlichen Aktivitäten des ehemaligen Premierministers Thaksin Shinawatra geäußert. In seiner Facebook-Sendung „Thailand muss an erster Stelle stehen“ sprach Jatuporn von einer auffälligen Häufung politischer Ereignisse, die sich allesamt am selben Tag abspielten – und warf die Frage auf, ob ein geheimer politischer Deal dahinterstecken könnte.
Im Zentrum seiner Kritik steht der überraschende Rückzug des Gesetzesentwurfs zur Legalisierung von Unterhaltungskomplexen inklusive Casinos, Thaksins vielbeachtete Rede zur Förderung von „Soft Power“ bei einer Otop-Veranstaltung im Queen Sirikit National Convention Center sowie seine politischen Kommentare bei einem Forum der Nation Group. Die zeitliche Koinzidenz dieser Ereignisse sei laut Jatuporn kaum als bloßer Zufall zu werten.
Insbesondere die Betonung der Soft-Power-Initiative sei strategisch, da sie als Rückenwind für Thaksins Tochter, Paetongtarn Shinawatra, interpretiert werden könne, die vor Kurzem zur Kulturministerin ernannt wurde. Thaksins gleichzeitige öffentliche Distanzierung von Kambodschas Langzeitherrscher Hun Sen, einem einst engen Vertrauten, sieht Jatuporn ebenfalls als Teil dieses möglichen politischen Theaters. Thaksin hatte erklärt, nach einem geleakten Telefonat, das seiner Tochter geschadet habe, mit Hun Sen gebrochen zu haben.
„Wenn das politisches Theater ist, dann wird es mit großer Finesse inszeniert“, sagte Jatuporn. Die thailändische Öffentlichkeit solle sich, so seine Warnung, nicht von einer sorgfältig orchestrierten Illusion täuschen lassen.
Besonders kritisch sieht Jatuporn das Schweigen Hun Sens zu Thaksins Vorwürfen. Sollte dieser sich nicht öffentlich äußern, könne dies laut Jatuporn ein Hinweis auf eine stillschweigende Einigung sein – etwa die Rücknahme des Casino-Gesetzes im Austausch für politische Ruhe. Eine offene Reaktion Hun Sens hingegen würde diesen Verdacht entkräften.
Auch die offizielle Begründung für den Rückzug des Gesetzentwurfs – mangelnde öffentliche Aufklärung und das neue Kabinett – bezeichnete Jatuporn als fadenscheinig.
Im Zusammenhang mit dem durchgesickerten Audiomitschnitt, der ein vertrauliches Gespräch zwischen Paetongtarn und Hun Sen betreffen soll, wies Jatuporn zudem auf Widersprüche in Thaksins Darstellung hin. Während Thaksin behauptet, der Anruf sei von der kambodschanischen Seite ausgegangen, deuten andere Informationen darauf hin, dass der betreffende Dolmetscher Khleang Huot sich in Kambodscha befand – Thaksin hatte jedoch gesagt, er sei in Bangkok.
Falls hinter dem aktuellen politischen Manöver keine bloße Inszenierung stecke, müsse Hun Sen seinerseits reagieren, forderte Jatuporn. Als mögliche Antwort nannte er die Veröffentlichung brisanter Informationen über sieben thailändische Politiker mit finanziellen Interessen in Kambodscha – „ein Name pro Tag“, so Jatuporn provokant. Bleibe Hun Sen jedoch weiter stumm, gewinne die Theorie eines geheimen Deals zunehmend an Glaubwürdigkeit.
Thaksin selbst hatte am Mittwoch in einer Rede auf einem Forum der Nation Group erklärt, das Verhältnis zu Hun Sen sei beendet. Seine Tochter habe vergeblich drei Stunden auf einen Anruf gewartet – erst später habe Hun Sen sie privat kontaktiert. Thaksin zweifelte an der Aufrichtigkeit des Gesprächs: „Ich fragte mich: Schlief er wirklich oder bereitete er sich darauf vor, das Telefonat aufzunehmen?“
Mit seinen Aussagen rüttelt Jatuporn an den Grundfesten der aktuellen politischen Erzählung – und fordert Transparenz inmitten einer zunehmend undurchsichtigen Gemengelage.
Redaktion STIN // CTN-Media