Paris/Bangkok – Im Rahmen der 47. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Paris hat Thailand Vorwürfe Kambodschas entschieden zurückgewiesen, wonach ein neu errichteter Tempel in der thailändischen Provinz Buri Ram eine Nachbildung des weltberühmten Angkor Wat sei.

Der thailändische Delegationsleiter Sihasak Phuangketkeow zeigte sich überrascht und enttäuscht über die Anschuldigungen. Der Bau des Phu Man Fah-Tempels, so Sihasak, sei durch traditionelle buddhistische Architektur aus verschiedenen historischen Epochen Thailands inspiriert – nicht durch das kambodschanische Nationalheiligtum Angkor Wat.

Thailand warf Kambodscha vor, die Vorwürfe seien politisch motiviert. Die erhobene Kritik sei in einem internationalen Gremium wie dem UNESCO-Welterbekomitee unangebracht. „Thailand hatte ursprünglich nicht vor, sich auf eine Konfrontation einzulassen, sah sich jedoch gezwungen, die haltlosen Behauptungen zurückzuweisen“, betonte Sihasak.

Zuvor hatte Phoeurng Sackona, Kambodschas Ministerin für Kultur und Schöne Künste, vor dem Komitee ihre „tiefe Besorgnis“ über den thailändischen Tempelbau geäußert. Sie forderte eine Untersuchung durch die UNESCO und sprach von einer Bedrohung für die „Integrität und Authentizität“ des Angkor Wat.

Die Vorwürfe kommen inmitten angespannter bilateraler Beziehungen und anhaltender Gebietsstreitigkeiten zwischen beiden Ländern. Trotz der Eskalation zeigte sich Thailand dialogbereit und verwies auf die bereits vereinbarte gemeinsame Arbeitsgruppe beider Regierungen zur Bearbeitung kulturpolitischer Fragen.

Ein erneuter Versuch der kambodschanischen Delegation, das Thema erneut im Plenum aufzugreifen, wurde vom Ausschuss abgewiesen – unter Verweis auf mangelnde Übereinstimmung mit vorherigen Konsultationen.

Wie aus Delegationskreisen verlautete, habe Kambodscha im Hintergrund zudem versucht, andere Mitgliedsstaaten für seine Position zu gewinnen. Der Vorstoß, die Debatte offiziell in die UNESCO-Agenda zu heben, scheiterte jedoch. Mehrere Staaten betonten, die Angelegenheit solle bilateral geklärt und nicht auf internationaler Bühne ausgetragen werden.

Brisant: Die Position der kambodschanischen Delegation widerspricht einem Bericht ihres eigenen Kulturministeriums aus dem Jahr 2023. Darin wurde nach einer offiziellen Inspektion festgestellt, dass der thailändische Tempel keine Nachbildung von Angkor Wat sei und keine Verletzung kultureller Integrität vorliege.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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