Myanmar – Bei einem verheerenden Luftangriff auf ein Kloster im Dorf Lintalu in der zentralmyanmarischen Region Sagaing sind am Freitag mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern befinden sich nach Angaben von Augenzeugen auch vier Kinder. Das Kloster diente als Zufluchtsort für rund 200 Menschen, die vor Kämpfen zwischen dem Militär und prodemokratischen Widerstandsgruppen geflohen waren.
Laut dem unabhängigen Nachrichtenportal The Irrawaddy wurde die Zahl der Todesopfer später auf 28 erhöht. Das Portal berichtet, dass ein Kampfflugzeug der Militärjunta das Gebäude zweimal bombardiert habe. Offizielle Stellen der Junta reagierten bislang nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.
Der Luftschlag ereignete sich nach Angaben von Hlaing Bwa, einem Vertreter der prodemokratischen Volksverwaltung im Bezirk Sagaing, in den frühen Morgenstunden. Auch ein lokaler Bewohner bestätigte gegenüber Reuters, dass es sich um einen gezielten Angriff des Staatsverwaltungsrats – der offiziellen Bezeichnung der regierenden Militärjunta – gehandelt habe.
Die Nationale Einheitsregierung (NUG), eine im Untergrund operierende zivile Parallelregierung, die regelmäßig Luftangriffe dokumentiert, äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall.
Myanmar befindet sich seit dem Militärputsch im Februar 2021 in einem anhaltenden Konflikt. Die Armee hatte damals die demokratisch gewählte Regierung unter Aung San Suu Kyi gestürzt und den landesweiten Widerstand brutal niedergeschlagen. In vielen Regionen liefern sich seither Militär und bewaffnete prodemokratische Gruppen heftige Gefechte.
Erst Ende März hatte ein Erdbeben der Stärke 7,7 Sagaing erschüttert und knapp 3.700 Todesopfer gefordert. Nach dem Beben kündigten sowohl die Junta als auch mehrere Widerstandsgruppen einen vorübergehenden Waffenstillstand an, um Hilfsmaßnahmen zu ermöglichen. Dennoch setzten die Militärs ihre Angriffe fort – auch auf Gebiete, die durch das Erdbeben schwer beschädigt wurden.
Im Mai warf die NUG der Junta bereits vor, bei einem Luftangriff auf eine Schule in Depayin, ebenfalls in Sagaing, mindestens 17 Kinder getötet zu haben.
Phoe Kaine, eine Bewohnerin von Lintalu, berichtete, dass neben den bestätigten Todesopfern viele Menschen verletzt worden seien. „Wir evakuieren derzeit Verletzte, die dringend medizinische Hilfe benötigen“, sagte sie gegenüber Reuters. Die Rettungsmaßnahmen in der Region dauern an.
Redaktion STIN // CTN-Media