Kambodscha / Thailand – Inmitten wachsender Spannungen zwischen zwei ehemaligen politischen Verbündeten sorgt Kambodschas Langzeitherrscher Hun Sen mit brisanten Enthüllungen für Aufsehen: Der Ex-Premier Thailands, Thaksin Shinawatra, habe ihn über zwei Jahrzehnte hinweg regelmäßig um politischen Rat gebeten – insbesondere in Bezug auf innerthailändische Angelegenheiten.
Hun Sen rechtfertigte seine Aussagen mit dem Hinweis, dass thailändische Intellektuelle sich zuletzt gewundert hätten, wie profund sein Wissen über die politischen Dynamiken des Nachbarlandes sei. „Wie könnte ich es nicht wissen, wenn Thaksin mich beinahe täglich kontaktierte?“, so Hun Sen gegenüber der Khmer Times. Die Gespräche hätten sich ausschließlich um thailändische Innenpolitik gedreht – nie um kambodschanische Belange.
Die Äußerungen des kambodschanischen Regierungschefs erfolgten wenige Tage, nachdem Thaksin bei einer Veranstaltung in Bangkok öffentlich das Ende der jahrzehntelangen Beziehung zu Hun Sen verkündet hatte. Grund dafür sei ein Vorfall, der seine Tochter Paetongtarn, derzeit suspendierte Premierministerin Thailands, betreffe.
Hun Sen reagierte mit scharfen Worten und kündigte an, umfangreiche Informationen über Thaksins angebliche politische Manöver und persönliche Vertrauensbrüche preiszugeben – darunter Vorwürfe, Thaksin habe ihn um Unterstützung bei der Absetzung eines thailändischen Ministers gebeten. Konkret soll es sich um Anutin Charnvirakul, damaliger Innenminister und Chef der Bhumjaithai-Partei, gehandelt haben. Hun Sen zitiert Thaksin sinngemäß mit der Aufforderung: „Entfernen Sie ihn, aber seien Sie bereit, selbst entfernt zu werden.“
Besonders schwer wiegt der Vorwurf, Thaksin habe ihn in ein verdecktes Gespräch mit Paetongtarn verwickeln wollen, das angeblich heimlich aufgezeichnet werden sollte. Hun Sen sprach von „Verrat“ und erinnerte daran, dass Thaksin auch in der Vergangenheit mit der thailändischen Monarchie in Konflikt geraten sei.
„Er hat sogar sein eigenes Land verraten – da überrascht es nicht, dass er jemanden wie mich hintergeht“, so Hun Sen. Thaksin solle nicht vergessen, wie viel Vertrauen er ihm über die Jahre entgegengebracht habe, sagte er weiter – etwa bei der Besetzung sicherheitspolitischer Schlüsselpositionen in Thailand.
Das Zerwürfnis zwischen den beiden ehemaligen politischen Schwergewichten könnte Auswirkungen auf das ohnehin fragile Verhältnis zwischen Thailand und Kambodscha haben – und offenbart zugleich die komplexen Netzwerke persönlicher Loyalitäten und Machtinteressen in Südostasiens politischem Gefüge.