Bangkok. Thailands Regierung steht zunehmend unter Zugzwang: Nach erfolgreichen Handelsdeals zwischen den USA und den südostasiatischen Nachbarn Vietnam und Indonesien wächst die Sorge, dass das Königreich bei ausländischen Direktinvestitionen (FDI) das Nachsehen haben könnte. Während Washington gegenüber Jakarta und Hanoi großzügige Zollvorteile gewährt, befindet sich Thailand erst in der Anfangsphase entsprechender Verhandlungen.

Vor allem die jüngste Einigung zwischen den USA und Indonesien sorgt in Bangkok für Nervosität: Indonesien profitiert künftig von zollfreien US-Importen, während US-Exporte lediglich mit 19 Prozent besteuert werden. Als Gegenleistung sicherte Jakarta den Kauf von Energieprodukten im Wert von 15 Milliarden US-Dollar, Agrargütern für 4,5 Milliarden sowie 50 Boeing-Flugzeugen zu – ein Gesamtpaket mit hoher symbolischer und wirtschaftlicher Tragweite. Ein ähnliches Modell wurde zuvor auch mit Vietnam umgesetzt.

Verzögerter Start für Thailand

Thailand hingegen steht noch am Anfang. Offizielle Gespräche mit dem US-Handelsbeauftragten (USTR) starteten am 16. Juli per Videokonferenz. Handelsminister Jatuporn Buruspat bestätigte, dass Thailand in den Verhandlungen die vollständige Abschaffung der Zölle auf rund 10.000 Produktlinien vorgeschlagen habe. Zugleich seien zusätzliche Vorschläge unterbreitet worden, um das Interesse der USA an einem Deal zu stärken.

Doch der politische Druck wächst: In einem zunehmend wettbewerbsintensiven ASEAN-Umfeld mit Ländern wie Vietnam, Indonesien und Malaysia könnte Thailand ins Hintertreffen geraten, sollte es nicht rasch vergleichbare Konditionen aushandeln.

Industrievertreter schlagen Alarm

Der Präsident des Thai National Shippers’ Council, Thanakorn Kasetsuwan, warnt, dass Thailand Gefahr laufe, Investitionen zu verlieren. Vietnam verfüge bereits über einen dreifach höheren Handelsüberschuss mit den USA als Thailand – trotz geringerer Produktionskosten. Die vorgeschlagene Zollbefreiung für 90 Prozent der US-Importe aus Thailand könne jedoch ein wirksames Gegenmittel darstellen.

Auch die Industrie fordert flankierende Maßnahmen. Die Regierung plant bereits ein zinsgünstiges Darlehensprogramm im Umfang von 200 Milliarden Baht. Zusätzlich fordern Unternehmer Stabilität bei Mindestlöhnen und Zinssätzen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Sorge um Investitionsklima

Die thailändische Wirtschaft könnte ohne Handelsabkommen mit den USA an Attraktivität verlieren, warnt Nava Chantanasurakon vom thailändischen Industrieverband (FTI). Thailand erzielte 2024 zwar einen Handelsüberschuss von 45 Milliarden US-Dollar mit den USA – deutlich mehr als Indonesien. Doch genau diese starke Position könnte in Verhandlungen zum Nachteil werden. „Sollte Thailand gezwungen sein, die indonesische Formel zu übernehmen, wäre das ein schwerwiegender Rückschlag“, so Nava.

Vor allem in Sektoren wie Chemie und Industrie, die hohe Investitionen erfordern, warnt der Verband vor übereilten Zollsenkungen. Bei pharmazeutischen Produkten hingegen sei ein Nullzoll vertretbar, da die USA hier ohnehin über eine starke Produktionsbasis verfügten.

Wirtschaftslenker mahnen zu Augenmaß

Auch die Bank of Thailand beobachtet die Entwicklung genau. Gouverneur Sethaput Suthiwartnarueput betont, dass die Auswirkungen der Zölle erst dann beurteilt werden könnten, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind. Die Notenbank steht im Austausch mit allen Sektoren, um die wirtschaftlichen Auswirkungen umfassend abzufedern.

Amonthep Chawla, Chefökonom der CIMB Thai Bank, sieht in maßvollen Zollsenkungen eine realistische Strategie. Steuersätze zwischen 25 und 30 Prozent könnten Thailand weiterhin wettbewerbsfähig halten. Ein kompletter Gleichschritt mit Vietnam oder Indonesien sei nicht zwingend notwendig – zu unterschiedlich seien die ökonomischen Strukturen.

Thailands Optionen sind noch offen

Chawla sieht in der momentanen Unsicherheit auch eine Chance. Thailand müsse sich auf seine Stärken besinnen – etwa im Bereich Elektronik, Medizintechnik, verarbeitete Lebensmittel oder inländisch entwickelte E-Fahrzeuge. Trotz höherer Lohn- und Energiekosten sei das Land für viele Unternehmen weiterhin attraktiv.

„Es ist noch nicht zu spät“, sagt Chawla. „Wenn wir wissen, mit wem wir konkurrieren, und unsere Stärken gezielt ausbauen, kann Thailand auch ohne extreme Zugeständnisse eine tragfähige Position finden.“

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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