Bankok – Die Siam Commercial Bank (SCB), eine der ältesten Finanzinstitutionen Thailands, kündigt einen deutlichen Strategiewechsel an: Inmitten wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten fährt die Bank ihr operatives Geschäft für mindestens ein Jahr spürbar zurück. SCB-CEO Kris Chantanotoke begründet die Entscheidung mit der angespannten Lage im Land – steigende Haushaltsverschuldung, schwaches Wirtschaftswachstum und drohende US-Zölle auf thailändische Exporte belasten zunehmend die Konjunktur.
„Sowohl die thailändische Wirtschaft als auch viele Unternehmen stehen vor erheblichen Herausforderungen“, warnte Kris auf einer Pressekonferenz. Besonders kritisch sei das mögliche Eingreifen der USA in Form erhöhter Zölle. Thailand exportiert rund 20 Prozent seiner Waren in die Vereinigten Staaten – ein Handelshemmnis in dieser Größenordnung könnte das Land empfindlich treffen.
„Sollte Thailand mit zehn Prozent höheren Zöllen als Nachbarländer belastet werden, droht ein massiver Wettbewerbsnachteil“, so der SCB-Chef weiter.
Angesichts dieser düsteren Aussichten korrigierte die Bank ihre Prognosen deutlich nach unten: Für das Jahr 2025 erwartet die SCB lediglich ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent, in der zweiten Jahreshälfte könnte dieses sogar auf nur ein Prozent absinken. Damit wächst die Sorge vor einer technischen Rezession.
Um der drohenden Krise zu begegnen, setzt die SCB auf Kostenkontrolle und einen digitalen Umbau. Ziel sei es, bis 2025 ein Viertel des Umsatzes über digitale Kanäle zu generieren. Das Filialnetz wird sukzessive zurückgefahren – aktuell betreibt die Bank rund 800 Zweigstellen, weitere Schließungen gelten als wahrscheinlich. Dennoch betonte Kris: „Physische Standorte werden weiterhin eine wesentliche Rolle spielen.“
Parallel dazu plant die Bank, ihr Firmenkundengeschäft auszubauen – ein Bereich, den sie als künftigen Wachstumstreiber identifiziert hat. Bei der Vergabe von Krediten an kleinere Unternehmen und Privatkunden will man hingegen vorsichtiger agieren und sich stärker auf Hypotheken sowie Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden konzentrieren.
Auch betriebswirtschaftlich will die SCB auf Effizienz setzen: Die Kosten-Ertrags-Relation, die bereits im ersten Quartal auf 36,8 Prozent gesunken war, soll weiter verbessert werden.
Die SCB vollzieht damit einen klaren Kurswechsel: In einem wirtschaftlich turbulenten Umfeld zieht sie sich bewusst zurück, rüstet digital auf – und hofft, so gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Ob dieser Sparkurs tatsächlich ausreicht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen