Bangkok/Phnom Penh – Angesichts wachsender Spannungen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze hat Thailands amtierender Premierminister Phumtham Wechayachai vor einer möglichen Eskalation gewarnt und die Entsendung zusätzlicher Polizeikräfte angekündigt. Ein diplomatischer Rückzug – etwa der thailändische Botschafter aus Phnom Penh – werde erwogen, sollte sich die Lage weiter verschärfen.
Der aktuelle Streitpunkt: das historisch umstrittene Grenzgebiet um die antiken Tempelruinen von Ta Muen Thom in der nordostthailändischen Provinz Surin. Phumtham erklärte, man habe bereits zwei Kompanien der Massenpolizei in die Region verlegt, um Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten – insbesondere nach dem Besuch von über 7.000 thailändischen und kambodschanischen Touristen am vergangenen Wochenende.
Ziel sei es, „jegliche direkte Konfrontation zwischen Militärkräften beider Seiten zu vermeiden“, so Phumtham. Der Einsatz ziviler Sicherheitskräfte solle demonstrieren, dass Thailand „nicht an einem bewaffneten Konflikt interessiert“ sei. Auch wolle man der internationalen Gemeinschaft signalisieren, dass man keine Gewalt gegen Zivilisten dulde.
Falls sich Unruhen am Grenztempel entwickeln, soll laut Phumtham zunächst die Polizei – und nicht das Militär – eingreifen. „Wir wollen zeigen, dass Thailand Zurückhaltung übt und einen kühlen Kopf bewahrt“, sagte er. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass das thailändische Militär weiterhin bereit sei, die nationale Souveränität zu verteidigen.
Phumtham warnte auch vor möglichen juristischen Schritten Kambodschas auf internationaler Ebene. „Ein gewaltsames Vorgehen könnte Phnom Penh einen Vorwand liefern, den Internationalen Gerichtshof (IGH) anzurufen“, sagte er. Thailand erkenne die Zuständigkeit des IGH jedoch nicht an.
Abschließend unterstrich der Premierminister die Friedensabsicht seiner Regierung, warnte jedoch: „Thailand fürchtet keinen Krieg, aber wir wollen auf keiner Seite Verluste sehen. Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie schnell ein lokaler Konflikt außer Kontrolle geraten kann.“
Hintergrund:
Die Ruinen von Ta Muen Thom und andere historische Tempel entlang der thailändisch-kambodschanischen Grenze waren in der Vergangenheit immer wieder Auslöser bilateraler Spannungen. Beide Länder beanspruchen kulturelle und territoriale Rechte an diesen Stätten.
STIN // AI