Bangkok – Der seit Jahrzehnten schwelende Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. In der umstrittenen Grenzregion kam es am Donnerstagmorgen zu heftigen Gefechten. Beide Seiten berichten von Schusswechseln, Artilleriebeschuss und dem Einsatz von Kampfjets. Mindestens drei Menschen wurden verletzt.

Thailändischen Angaben zufolge eröffneten kambodschanische Soldaten das Feuer auf eine Militärbasis in der nordöstlichen Provinz Surin. Die kambodschanische Seite wirft hingegen Thailand vor, als Erstes geschossen zu haben. Die kambodschanische Zeitung Phnom Penh Post sprach von einem „eklatanten Akt militärischer Aggression“ durch Thailand, der die Stabilität der gesamten Region gefährde.

Laut der Bangkok Post antwortete die thailändische Armee mit gezielten Luftangriffen auf kambodschanische Militärstellungen. Dabei sollen zwei regionale Hauptquartiere getroffen worden sein. Kambodscha hat diese Angaben bislang nicht bestätigt.

Uralter Tempel, neuer Zündstoff

Im Kern des Konflikts steht der Grenzverlauf rund um den historischen Tempel Prasat Preah Vihear, ein UNESCO-Weltkulturerbe aus dem 10. bis 12. Jahrhundert. Sowohl Thailand als auch Kambodscha beanspruchen das Tempelareal und das angrenzende Gebiet für sich. Der Grenzstreit zieht sich seit der Kolonialzeit hin und ist immer wieder Auslöser für gewaltsame Auseinandersetzungen.

Zivilbevölkerung in Angst

Die Gefechte versetzten die Bevölkerung der Grenzregion in Angst. Medienberichten zufolge suchten zahlreiche Anwohner Schutz in Bunkern, während Explosionen und Artilleriefeuer zu hören waren. Aufnahmen in sozialen Netzwerken zeigten schwere Detonationen und Schusswechsel in mehreren Orten – darunter nahe des Khmer-Tempels Prasat Ta Muen Thom.

Thailand wirft Kambodscha vor, Raketen des Typs BM-21 auf zivile Gebiete abgefeuert zu haben. Die Armee spricht von einem „gewalttätigen und unmenschlichen Angriff“. Drei Menschen seien dabei verletzt worden.

Diplomatische Beziehungen auf Eis

Der bewaffnete Schlagabtausch folgt auf eine diplomatische Eiszeit: Beide Regierungen hatten kürzlich die gegenseitigen Botschafter abgezogen. Die thailändische Botschaft in Phnom Penh riet ihren Staatsangehörigen zur Ausreise – sofern dies sicher möglich sei.

Kambodschas Premierminister Hun Manet betonte in einem Facebook-Post, man habe stets auf eine friedliche Lösung gesetzt, sehe sich nun jedoch gezwungen, auf militärische Aggressionen zu reagieren.

Minensprengungen verschärfen die Lage

Bereits in den vergangenen Wochen war die Situation angespannt. Ende Mai war bei einem Schusswechsel ein kambodschanischer Soldat getötet worden. Ende Juni reagierte Thailand mit der Schließung mehrerer Grenzübergänge. Am Mittwoch wurden zudem mehrere thailändische Soldaten durch explodierende Landminen verletzt – einer von ihnen verlor ein Bein. Thailand wirft Kambodscha vor, die Minen jüngst neu verlegt zu haben.

Der Konflikt birgt hohes Eskalationspotenzial. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Lage mit Sorge – ein offener Krieg an der Grenze zwischen den beiden südostasiatischen Staaten würde die gesamte Region destabilisiert.

STIN // AI

Von stin

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