Bangkok/New York – Außenminister Maris Sangiampongsa steht inmitten eines eskalierenden Grenzkonflikts mit Kambodscha und innenpolitischer Kritik massiv unter Druck. Nachdem es am Donnerstag (24. Juli) zu tödlichen Auseinandersetzungen entlang der thailändisch-kambodschanischen Grenze kam, wächst der Unmut über Thailands zögerliche diplomatische Reaktion.

Die Spannungen hatten sich bereits Tage zuvor verschärft: Bangkok rief seinen Botschafter aus Phnom Penh zurück und wies den kambodschanischen Gesandten aus. Hintergrund war der Vorwurf, kambodschanische Truppen hätten Landminen auf thailändischem Gebiet gelegt und dabei mehrere thailändische Soldaten verletzt. Phnom Penh bestreitet die Anschuldigungen vehement.

Maris, der mit 66 Jahren über eine jahrzehntelange diplomatische Karriere verfügt, sieht sich nun dem Vorwurf ausgesetzt, zu spät und zu lasch auf die Provokationen reagiert zu haben. Kritiker werfen dem Außenministerium vor, erst Tage nach dem mutmaßlichen Völkerrechtsverstoß offiziell protestiert zu haben.

Während er in einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat Thailands Bekenntnis zur friedlichen Konfliktlösung bekräftigte, ließ Maris zunächst jede direkte Erwähnung des aktuellen Grenzstreits vermissen. Erst am Donnerstag verurteilte er in New York Kambodscha deutlich und warf Phnom Penh vor, als erstes das Feuer eröffnet und zivile Gebiete angegriffen zu haben.

Politische Verflechtungen und Schatten aus der Vergangenheit

Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der Verdacht, Maris handle nicht nur im Interesse Thailands, sondern auch im Sinne des einflussreichen Alt-Premiers Thaksin Shinawatra. Dessen Tochter Paetongtarn führt die regierende Pheu-Thai-Partei, wurde jedoch Anfang Juli vom Amt der Premierministerin suspendiert. Der Grund: ein geleakter Mitschnitt eines Gesprächs mit Kambodschas Machthaber Hun Sen, in dem sie sich abfällig über Thailands Militärführung äußerte.

Der frühere Außenminister Kasit Piromya warf Maris daher unlängst vor, „Thaksins Lakai“ zu sein, und forderte ihn auf, „seine Pflichten mit Würde zu erfüllen“. Maris’ zurückhaltende Linie gegenüber Phnom Penh wird von Kritikern als Zeichen politischer Rücksichtnahme auf den einflussreichen Thaksin gewertet – insbesondere, nachdem Hun Sen mit der Veröffentlichung „geheimer Informationen“ über den früheren Premier drohte.

Obwohl Hun Sen die Regierungsgeschäfte im vergangenen Jahr offiziell an seinen Sohn Hun Manet übergab, gilt er weiter als der starke Mann im Hintergrund. Gleiches gilt für Thaksin in Thailand – mit Einfluss auf Kabinett, Partei und Diplomatie, wie viele Beobachter meinen.

Lange Karriere, brisantes Amt

Maris Sangiampongsa blickt auf eine mehr als 30-jährige Laufbahn im diplomatischen Dienst zurück. Nach seinem Eintritt ins Außenministerium 1986 durchlief er zahlreiche Stationen in Europa, Australien, Neuseeland und Kanada. Nach seiner Pensionierung 2019 kehrte er als Berater zurück und übernahm im Zuge einer Kabinettsumbildung schließlich das Außenministerium.

Sein beruflicher Werdegang ist geprägt von Expertise in internationalen Beziehungen – doch nun steht Maris vor einer politischen Bewährungsprobe: dem Balanceakt zwischen wachsendem außenpolitischem Druck, innenpolitischer Polarisierung und parteiinternen Machtstrukturen.

Wie sich Thailands Außenpolitik im eskalierenden Grenzkonflikt weiter entwickelt, dürfte auch über das politische Schicksal von Maris selbst entscheiden.

 

Von stin

{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com