Bangkok, Thailand – Der langjährige Politiker und ehemalige Anführer der mittlerweile aufgelösten Future Forward Party, Thanathorn Juangroongruangkit, hat eine deutliche Warnung an die thailändische Regierung gerichtet. In einer Rede in Bangkok beschuldigte er 20 Jahre politischer Instabilität, das Land wirtschaftlich und gesellschaftlich ruiniert zu haben. Er forderte dringende politische und wirtschaftliche Reformen, um einen irreversiblen Niedergang zu verhindern.

Chronische Instabilität bremst die Wirtschaft

Thanathorn zeichnete ein düsteres Bild der politischen Landschaft Thailands der letzten zwei Jahrzehnte. Neun Premierminister, drei Verfassungen, zwei Militärputsche und die Auflösung mehrerer politischer Parteien hätten eine Ära des ständigen Chaos geschaffen. Dieses Umfeld, so Thanathorn, habe das Vertrauen der Investoren zerstört und das Land daran gehindert, sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Er legte dar, wie diese politische Lähmung das Wirtschaftswachstum verlangsamt hat: Von jährlichen 7,3 % in den 1990er Jahren sei die Wachstumsrate auf nur noch 2 % in den 2010er Jahren gesunken. Im Gegensatz dazu seien die Nachbarländer in der Region weiter gewachsen. Thanathorn betonte, dass Wirtschaft und Politik untrennbar miteinander verbunden seien. Wenn das eine scheitere, folge das andere.

Sinkende Geburtenrate und schwindendes Vertrauen

Als eine weitere Folge der andauernden Unsicherheit nannte Thanathorn die rapide sinkende Geburtenrate des Landes. Vor 20 Jahren seien in Thailand noch eine Million Babys pro Jahr geboren worden, inzwischen seien es nur noch 400.000. Die junge Generation sei aufgrund der wirtschaftlichen Lasten und der politischen Instabilität nicht mehr bereit, eine Familie zu gründen.

Laut Thanathorn sei dieser demografische Wandel ein Zeichen dafür, dass dem Land „weder Verstand noch Herz“ fehle. Dieser Mangel an Zuversicht führe dazu, dass die Menschen nicht mehr an eine stabile Zukunft glaubten. Die alternde Bevölkerung und die schrumpfende Erwerbsbevölkerung würden in den kommenden Jahrzehnten massive Herausforderungen für die Sozialsysteme und die Wirtschaft darstellen.

Staatliche Schulden und fehlende Innovation

In seiner Rede kritisierte Thanathorn die hohen Staatsausgaben der letzten 20 Jahre, die trotz enormer Summen von 53 Billionen Baht kaum Fortschritte gebracht hätten. Stattdessen belaste die Staatsverschuldung die Haushalte zunehmend. In nur fünf Jahren werde der Anteil der Staatseinnahmen, der für Zinszahlungen verwendet wird, voraussichtlich von 7,1 % auf 14 % steigen. Dies werde künftige Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Innovation stark einschränken.

Auch im Privatsektor mangele es an Vertrauen. Während große Unternehmen ihre Investitionen ins Ausland verlagerten, kämpften kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ums Überleben und die Verschuldung der Privathaushalte steige. Thanathorn hob die fehlende Innovation hervor: seit den 1990er Jahren habe Thailand keine neuen, global wettbewerbsfähigen Industrien mehr hervorgebracht.

Ein Haus mit bröckelnden Fundamenten

Thanathorn verglich Thailand mit einem Haus, dessen Fundamente zerfallen. Er mahnte, dass kleine Reparaturen nicht mehr ausreichten. Es sei ein vollständiger Wiederaufbau notwendig, um eine würdige Zukunft für kommende Generationen zu schaffen. Er wies auch darauf hin, dass Thailand 200 Milliarden Baht in ausländische Züge investieren wolle, obwohl man für nur 8 Milliarden Baht eine eigene Bahnindustrie hätte aufbauen können.

Abschließend forderte er alle politischen Akteure auf, über kurzfristige Machtkämpfe hinauszuschauen. „Es ist Zeit, den Kampf um die Brocken zu beenden“, sagte er. Stattdessen müssten sie gemeinsam eine neue Zukunft aufbauen, die „unserer Zukunft würdig ist“. Thanathorn warnte, dass längeres Warten die Krise nur verschlimmern werde, und forderte mutige Schritte, um das Land wieder auf Kurs zu bringen.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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