Die kambodschanische Social-Media-Influencerin und Politikerin Thy Sovantha hat ihre Regierungs- und Parteiposten verloren, nachdem sie öffentlich den Gesundheitszustand von Soldaten kritisierte. Ausgelöst wurde der Schritt durch einen Facebook-Beitrag, in dem sie erklärte, viele Frontsoldaten litten an Bluthochdruck, Diabetes, Magengeschwüren sowie Leber- und Nierenerkrankungen – verursacht vor allem durch hohen Alkoholkonsum.
Kurz darauf entließ der langjährige Machthaber Hun Sen, Vorsitzender der regierenden Kambodschanischen Volkspartei (CPP) und Präsident des Senats, die 30-Jährige als stellvertretende Gouverneurin von Arey Ksat in der Provinz Kandal und aus allen Parteiämtern. Sovantha akzeptierte die Entscheidung und bezeichnete sie als „Mahnung“ für andere, diszipliniert zu handeln.
Die 2,4 Millionen Follower zählende Aktivistin ist seit ihrer Jugend eine umstrittene Figur. Mit 18 Jahren noch Unterstützerin der Opposition, machte sie sich durch scharfe Kritik an Hun Sen einen Namen, bevor sie später ins Regierungslager wechselte. Der Seitenwechsel brachte ihr den Vorwurf ein, als Spionin der Regierung gearbeitet zu haben.
2016 beschuldigte der exilierte Oppositionsführer Sam Rainsy Hun Sen, Sovantha mit einer Million US-Dollar für den Austritt aus der Opposition bestochen zu haben – beide wiesen die Vorwürfe zurück. Die politischen Spannungen gipfelten 2017 in der Auflösung der größten Oppositionspartei CNRP, was der CPP einen vollständigen Wahlsieg ermöglichte.
Geboren 1995 in Phnom Penh, wurde Sovantha zunächst als radikale Aktivistin bekannt, später als loyale Unterstützerin der Regierung. Kritiker hinterfragten wiederholt die Herkunft ihres Vermögens. 2018 räumte sie ein, als junge Aktivistin Fehler aus Naivität begangen zu haben. Heute präsentiert sie sich als Befürworterin von Reformen – allerdings innerhalb der bestehenden politischen Strukturen.
Der aktuelle Vorfall zeigt jedoch, wie schmal der Grat in Kambodschas Politik bleibt: Selbst loyale Stimmen können fallen, wenn sie öffentlich Kritik üben.
Redaktion STIN // CTN-Media