Nachdem Kambodscha in den jüngsten Gefechten an der Grenze zu Thailand schwere militärische Verluste erlitt, setzt die Regierung in Phnom Penh ihre eigenen Bürger unter Druck. Sie droht Tausenden kambodschanischen Arbeitsmigranten in Thailand mit dem Verlust ihrer Staatsbürgerschaft und ihres Eigentums, sollten sie nicht in die Heimat zurückkehren. Dieser plötzliche Kurswechsel hat eine Welle der Rückkehr ausgelöst, die thailändische Industrien, von der Bau- bis zur Tourismusbranche, ins Chaos stürzt.

Verzweifelter Versuch, Soldaten zu ersetzen

Die jüngsten Spannungen zwischen Thailand und Kambodscha haben zu heftigen Gefechten geführt, bei denen nach thailändischen Angaben rund 3.000 kambodschanische Soldaten ums Leben kamen. Der hohe Blutzoll hat das Regime unter Hun Sen und seinem Sohn, Premierminister Hun Manet, offenbar in die Enge getrieben. Während die Regierung zunächst mit Anreizen wie zinsgünstigen Krediten versuchte, Arbeiter zur Rückkehr zu bewegen, änderte sich die Taktik abrupt.

Nun kursieren Gerüchte und Drohungen, die aus Kambodscha nach Thailand geschickt werden. Wanderarbeiter erhalten Anrufe von Verwandten, die sie davor warnen, dass ihnen bei einem Verbleib in Thailand der Entzug der Staatsbürgerschaft, die Beschlagnahmung von Eigentum und sogar eine mögliche strafrechtliche Verfolgung drohen. Diese Drohungen, gepaart mit Fehlinformationen über angebliche Übergriffe seitens der Thailänder, haben bei vielen Kambodschanern tiefe Angst ausgelöst und einen Massenexodus ausgelöst.

Wirtschaftliche Folgen für Thailand

Der plötzliche Verlust Zehntausender Arbeitskräfte trifft die thailändische Wirtschaft hart. Branchen, die stark auf kambodschanische Migranten angewiesen sind, wie der Bausektor und die Fertigungsindustrie, sind besonders betroffen. Bauunternehmer Chitipat Chanthong, der seit Jahrzehnten in der Branche tätig ist, beklagt, dass fast alle seine kambodschanischen Arbeiter trotz seiner Bitten, zu bleiben, das Land verlassen haben. Er schätzt ihre Zuverlässigkeit und Kompetenz, die nun fehlen.

Ähnlich ist die Lage in der Tourismusbranche. In der SR Speedboat Factory in der Provinz Chonburi ist die Produktion ins Stocken geraten, nachdem mehr als die Hälfte der kambodschanischen Belegschaft das Land verlassen hat. „Die Produktion verlangsamt sich, und das bedroht die Zukunft meiner Fabrik“, sagt Eigentümer Sitthikorn Pomthong. Beide Regierungen werden dringend aufgefordert, die Arbeitsmarktkrise zu lösen, da andernfalls die wirtschaftliche Stabilität beider Länder gefährdet ist.

Angst und Loyalität an der Grenze

Am Grenzübergang Ban Khlong Luek in der Provinz Sa Kaeo zeichnet sich ein Bild der Verzweiflung. Hunderte Kambodschaner, viele mit Kindern und Enkeln, stehen Schlange, um nach Hause zurückzukehren. Sie sind verunsichert durch die Gerüchte und die Sorge um ihre Familien. Viele geben an, dass sie hoffen, nach einer Beruhigung der Lage wieder nach Thailand zurückkehren zu können, da Arbeitsplätze in Kambodscha rar sind.

Andere entscheiden sich trotz des Drucks zu bleiben. Der 40-jährige Bauarbeiter Dam bleibt aus finanziellen Gründen: „Nach Hause zu gehen, würde mich ruinieren.“ Er hat Schulden für sein Haus aufgenommen und kann es sich nicht leisten, seine Arbeit zu verlieren. Auch der 34-jährige Fabrikarbeiter Ta vertraut seinem Arbeitgeber und der thailändischen Regierung. Er hofft auf Frieden und bittet seine Landsleute, keinen Hass gegen die Thailänder zu schüren.

Der Konflikt an der Grenze, der durch den Rückzug und Betrugsfälle mit kambodschanischen Beamten noch verschärft wird, stellt beide Länder vor eine immense Herausforderung. Die Existenzgrundlagen Tausender Menschen stehen auf dem Spiel, und die politischen Entscheidungen werden über die Zukunft beider Volkswirtschaften entscheiden.

 

Redaktion STIN --> Austria // Thailand

Von stin

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