Der seit 2020 viel beachtete Mordfall um die dreijährige Orawan „Nong Chompoo“ Wongsricha hat eine neue juristische Wendung genommen. Der 49-jährige Chaiphon Wipha, landesweit bekannt als „Onkel Phol“, bleibt vorerst im Provinzgefängnis Mukdahan inhaftiert. Zwar könnte ihm noch Kaution gewährt werden, doch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs steht aus.

Chaiphon war im Mai 2020 ins Visier der Ermittler geraten, nachdem seine Nichte aus dem Dorf Kok Kok im Bezirk Dong Luang spurlos verschwunden und drei Tage später nackt auf dem Berg Phu Pha Yon gefunden worden war – zwei Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt. Der Fund löste landesweite Bestürzung aus, Suchaktionen und Fernsehberichte hielten die Öffentlichkeit wochenlang in Atem.

Im Dezember 2023 verurteilte das Provinzgericht Mukdahan Chaiphon zu 20 Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung und Entführung eines Kindes, sprach ihn jedoch vom Vorwurf des vorsätzlichen Mordes frei. Seine Ehefrau, die mitangeklagt war, wurde vollständig freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein – mit Erfolg. Das Berufungsgericht der Region 4 sah in dem Tod des Mädchens eine vorsätzliche Tötung und erhöhte das Strafmaß auf 26 Jahre: 15 Jahre für Mord, zehn Jahre für Kindesentführung und ein weiteres Jahr für Manipulation am Tatort.

Gerichtsgutachter hatten dargelegt, dass ein dreijähriges Kind den steilen Berg nicht aus eigener Kraft hätte erklimmen können. Zudem fanden Ermittler 16 Haare mit der DNA des Opfers in Chaiphons Fahrzeug.

Nach der Urteilsverkündung wurde der Angeklagte ohne Kaution in das Provinzgefängnis gebracht, da der Oberste Gerichtshof seinen Kautionsantrag noch nicht geprüft hatte. Seine Anwälte kündigten an, innerhalb von 30 Tagen Revision einzulegen. Das Verfahren könnte sich ein bis zwei Jahre hinziehen.

Der Fall „Nong Chompoo“ hat sich in Thailand zu einem der meistdiskutierten Strafprozesse der letzten Jahre entwickelt – nicht nur wegen der Tat, sondern auch aufgrund der intensiven Medienberichterstattung. Während einige Chaiphon als zu Recht verurteilten Täter sehen, glauben andere an seine Unschuld.

Für die Eltern des Mädchens bleibt der Kampf um Gerechtigkeit eine schmerzhafte Dauerbelastung. Das anstehende Urteil des Obersten Gerichtshofs wird nicht nur über Chaiphons Schicksal entscheiden, sondern könnte auch das Vertrauen vieler Thailänder in ihr Justizsystem prägen.

 

STIN // AI

Von stin

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