Fast zehn Jahre nach seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis steht der berüchtigte Frauenmörder Wisut Boonkasemsanti erneut im Zentrum eines Skandals – diesmal wegen mutmaßlicher schwerer Finanzdelikte.

Anfang August erhob die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) schwere Vorwürfe gegen den mittlerweile über 70-Jährigen und zwei Komplizinnen. Sie sollen zwischen 2023 und 2024 durch sogenanntes „Front Running“ gegen den Securities and Exchange Act verstoßen haben. Dabei werden Aktien noch vor großen Kundenaufträgen gekauft, um aus den zu erwartenden Kursbewegungen Profit zu schlagen – eine Praxis, die in den USA streng verboten ist.

Nach Erkenntnissen der SEC soll eine der Frauen als Mitarbeiterin eines führenden Brokerhauses vertrauliche Kundeninformationen an Wisut weitergegeben haben. Er habe diese Hinweise genutzt, um illegale Gewinne zu erzielen und zugleich den Ruf des Unternehmens zu beschädigen. Eine zweite Frau soll über die Geschäfte finanziell profitiert haben.

Die Ermittler überwachten die verdächtigen Transaktionen bereits seit 2024. Nun sei der Fall an das Anti-Geldwäschebüro und die Abteilung für Wirtschaftskriminalität weitergereicht worden. Im Falle einer Verurteilung könnte Wisut erneut im Gefängnis landen. Insider sprechen von „erheblichen Beweisen“ für die Anklage.

Eine blutige Vergangenheit
Bevor er zu einem der berüchtigtsten Mörder Thailands wurde, galt Wisut als angesehener Assistenzprofessor am Chulalongkorn-Krankenhaus und führender Experte für künstliche Befruchtung. Seine Ehe mit der Gynäkologin Dr. Phassaporn zerbrach, nachdem sie von seiner Affäre mit einer Patientin erfahren hatte. Freunde und Angehörige berichteten später, sie habe um ihr Leben gefürchtet.

Am 20. Februar 2001 lockte Wisut seine Frau unter einem Vorwand zu einem Treffen. Überwachungskameras zeigten, wie sie das Restaurant im Einkaufszentrum Siam Discovery allein betrat, beim Verlassen jedoch von ihm gestützt wurde. Kurz darauf verschwand sie spurlos.

Obwohl ihre Leiche nie vollständig gefunden wurde, stieß die Polizei auf mehrere Kilogramm menschlicher Überreste in einer von Wisut gemieteten Wohnung sowie an anderen Orten. DNA-Tests bestätigten die Identität der Toten. 2003 wurde Wisut wegen Mordes zum Tode verurteilt, das Urteil später in lebenslange Haft umgewandelt. 2014 kam er nach nur gut zehn Jahren Haft frei – begnadigt wegen angeblich „guter Führung“.

Reue oder Fassade?
Während seiner Haftzeit sprach Wisut öffentlich von einer spirituellen Läuterung. Er half kranken Mitgefangenen, trat zeitweise in den Mönchsstand ein und erklärte, er bereue seine Taten zutiefst. Doch mit den neuen Vorwürfen gegen ihn stellt sich erneut die Frage, ob diese Wandlung echt war – oder nur eine weitere Station in der langen Geschichte seiner Selbstinszenierung.

 

STIN // AI

Von stin

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