Phnom Penh – Der fragile Waffenstillstand zwischen Kambodscha und Thailand wird von innenpolitischen Spannungen überschattet. Ein hitziges Wortgefecht zwischen Senatspräsident Hun Sen und dem im Exil lebenden Oppositionspolitiker Sam Rainsy wirft ein grelles Licht auf die tiefe Spaltung im Land – während Berichte über schwere Verluste der kambodschanischen Streitkräfte die Lage zusätzlich verschärfen.

Nach jüngsten Gefechten entlang der thailändisch-kambodschanischen Grenze sollen nach Angaben des thailändischen Generalleutnants Boonsin Padklang bis zu 3.000 kambodschanische Soldaten gefallen sein. Hun Sen vermied eine direkte Bestätigung dieser Zahlen, reagierte jedoch empört auf Rainsys scharfe Kritik an der Militärführung.

Rainsy hatte bei einem Treffen mit kambodschanischen Exilanten in Frankreich vor allem den Einsatz chinesischer Waffen als ineffektiv bezeichnet und dem Militär vorgeworfen, versehentlich thailändische Zivilisten statt militärischer Ziele getroffen zu haben. Zudem lobte er die Präzision thailändischer Luftangriffe – eine Aussage, die Hun Sen in einem Facebook-Beitrag als unpatriotisch brandmarkte.

Der Konflikt verdeutlicht nicht nur die politisch aufgeladene Atmosphäre in Kambodscha, sondern auch strukturelle Schwächen der Streitkräfte. An der Front kämpfen überwiegend lokale Milizen aus den Grenzprovinzen Preah Vihear und Oddar Meanchey, während Eliteeinheiten wie die 70. Infanteriebrigade und die Spezialeinheit 911 kaum eingesetzt werden. Beobachter führen die hohen Verluste auf mangelnde Ausbildung und Ausrüstung dieser Truppen zurück.

Die militärische und politische Fragmentierung hat historische Wurzeln: Bereits das Pariser Friedensabkommen von 1991 vereinte einst verfeindete Fraktionen – von der Volkspartei unter Heng Samrin bis zu ehemaligen Roten Khmer – in einer gemeinsamen Armee. Alte Rivalitäten wirken jedoch bis heute nach.

Während die Regierung bemüht ist, die Truppen moralisch und logistisch zu unterstützen, wächst im Land die Forderung nach Transparenz über die tatsächliche Opferzahl. Auch die Beziehungen zu Thailand bleiben angespannt, trotz formellen Waffenstillstands.

Der Streit zwischen Hun Sen und Rainsy geht damit weit über persönliche Animositäten hinaus: Er stellt Fragen nach nationaler Loyalität, militärischer Führung und der politischen Zukunft Kambodschas – in einer Zeit, in der das Land sowohl an der Front als auch im Inneren unter Druck steht.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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