Im umstrittenen Südchinesischen Meer hat ein chinesischer Kampfjet nach Angaben der philippinischen Küstenwache (PCG) ein Patrouillenflugzeug der Philippinen abgefangen. Der Vorfall ereignete sich nur zwei Tage, nachdem zwei chinesische Schiffe im selben Gebiet kollidiert waren, während sie offenbar ein Schiff der PCG verfolgten.

PCG-Sprecher Jay Tarriela erklärte gestern bei einer Pressekonferenz, eine vom Dienst betriebene Cessna Caravan sei am Morgen über den Gewässern nahe des Scarborough Shoal von einem J-15-Kampfjet der Marineflieger der Volksbefreiungsarmee über 20 Minuten lang bedrängt worden. Der Jet habe sich dem Propellerflugzeug zeitweise bis auf rund 60 Meter genähert und dabei riskante Manöver ausgeführt. An Bord der Cessna befanden sich mehrere Journalisten, darunter ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters, der die brenzlige Annäherung aus nächster Nähe beobachtete.

Das Scarborough Shoal, eine dreieckige Riffbarriere rund 120 Seemeilen westlich der philippinischen Insel Luzon, ist seit Jahren zwischen China und den Philippinen umstritten. Obwohl es innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone der Philippinen liegt, kontrolliert Peking das Gebiet seit einer Konfrontation im Jahr 2012. Immer wieder kommt es dort zu Zwischenfällen, bei denen chinesische Einheiten den Zugang philippinischer Fischer behindern.

Bereits am Montag war es nahe des Riffs zu einer Kollision gekommen: Ein chinesisches Marineschiff stieß mit einem Patrouillenboot der chinesischen Küstenwache zusammen, als beide versuchten, eine philippinische Versorgungsmission zu blockieren. Laut PCG entstanden dabei erhebliche Schäden am Bug des Küstenwachschiffs. Manila warf Peking daraufhin „gefährliche Manöver und unrechtmäßige Eingriffe“ vor.

Während des jüngsten Patrouillenflugs zählte die PCG nach eigenen Angaben vier Schiffe der chinesischen Küstenwache sowie sechs Boote der maritimen Miliz in der Nähe des Scarborough Shoal. Darüber hinaus wurden zwei US-Kriegsschiffe, die USS Cincinnati und der Zerstörer USS Higgins, rund 100 Seemeilen vor der philippinischen Küste gesichtet.

Das Südkommando der Volksbefreiungsarmee warf Washington anschließend vor, mit der Higgins „unerlaubt“ in chinesische Gewässer eingedrungen zu sein. Die US-Marine widersprach umgehend: Es habe sich um eine legale Operation zur Wahrung der Freiheit der Schifffahrt gehandelt.

Beobachter werten den Einsatz des J-15 als mögliche Reaktion auf die peinliche Kollision von Montag. „Peking wird keinen Rückzieher machen. Um keinen Gesichtsverlust zu riskieren, dürfte es seine harte Linie noch verschärfen“, kommentierte der Sicherheitsexperte Collin Koh aus Singapur.

Chinas Staatsmedium Global Times bezeichnete das Verhalten der Philippinen in einem Leitartikel als „sorgfältig geplante Provokation“ und warnte Manila vor „gezielten Gegenmaßnahmen“.

Nach einer Phase relativer Ruhe deutet nun vieles darauf hin, dass die Spannungen zwischen China und den Philippinen im Südchinesischen Meer erneut zunehmen.

 

Von stin

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