Der chinesische Elektroautohersteller BYD hat erstmals Fahrzeuge aus seiner thailändischen Produktion ins Ausland verschifft. Die erste Exportcharge umfasst 959 Exemplare des Kompaktmodells Dolphin und ist für Europa bestimmt – darunter Deutschland, Belgien und die Niederlande.

BYD ist seit 2022 auf dem thailändischen Markt aktiv und hat mit dem SUV ATTO 3 einen regelrechten Nachfrageboom ausgelöst. Seither baute der Konzern nicht nur sein Modellportfolio aus, sondern auch seine Fertigungskapazitäten. Im WHA Industrial Estate in Rayong entsteht derzeit ein Werk mit einer Jahreskapazität von bis zu 150.000 Fahrzeugen. Die Produktion soll am 4. Juli 2024 anlaufen, perspektivisch sollen dort rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigt werden.

Insgesamt investiert BYD mehr als 35 Milliarden Baht in Thailand, darunter in die lokale Batterie- und Antriebsstrangproduktion. Ursprünglich als Standort für Rechtslenker-Modelle für ASEAN-Märkte geplant, wird die Fabrik nun auch Linkslenker für den Export fertigen – eine strategische Erweiterung, die den Zugang zu globalen Märkten öffnet.

Exporte als Schlüssel für Thailands EV-Programm

Die Anpassung zahlt auf das thailändische EV-3.0-Programm ein, das Herstellern Steuererleichterungen und Subventionen bietet. Die Regelung verlangt allerdings, dass importierte Fahrzeuge durch heimische Produktion ausgeglichen werden. 2024 muss jedes importierte Auto durch eine lokal gebaute Einheit kompensiert werden, 2025 steigt das Verhältnis auf 1,5. Neu ist: Auch Exporte können auf diese Quote angerechnet werden – und zwar mit einem 1,5-fachen Faktor.

Für BYD ist das entscheidend: Mit einem Marktanteil von 8 Prozent ist der Konzern inzwischen Thailands viertgrößter Autobauer – und muss im Rahmen des Programms rund 30.000 Fahrzeuge ausgleichen. Reine Inlandsverkäufe reichen dafür nicht aus. „Wenn wir nicht exportieren könnten, müssten alle Einheiten im Land verkauft werden. Das würde den Wettbewerb verschärfen und die Marktstruktur verzerren“, so ein BYD-Manager.

Auch die Regierung profitiert: Während für heimische Verkäufe Subventionen von bis zu 150.000 Baht pro Auto gezahlt werden, entfallen diese Kosten bei Exporten.

Wachsende Rolle im Außenhandel

Schon im April hatte Thailand erstmals Elektroautos ausgeführt, insgesamt 660 Einheiten. Branchenvertreter erwarten, dass die Ausfuhren in den kommenden Monaten deutlich steigen werden – nicht zuletzt, weil das EV-3.0-Programm Ende 2025 ausläuft.

Mit dem Exportstart nach Europa unterstreicht BYD seine Rolle als Schlüsselfigur in Thailands Transformation zum regionalen Elektroauto-Hub – und sichert sich zugleich Spielraum für die ehrgeizigen Produktionsauflagen.

 

STIN // AI

Von stin

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