Nach wochenlanger Abwesenheit ist General Hing Bun Hieng, Chef des Bodyguard Headquarters (BHQ) und stellvertretender Oberbefehlshaber der kambodschanischen Streitkräfte, erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Sein Erscheinen kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Spannungen entlang der thailändisch-kambodschanischen Grenze erneut zunehmen.

Am 22. August entdeckten thailändische Soldaten nahe Hügel 350 im Grenzgebiet der Provinz Surin mehrere kambodschanische Soldaten, mutmaßlich aus der BHQ-Einheit. Auf das Eindringen reagierte das thailändische Militär mit Warnschüssen. Kurz darauf wurde an dem Ort eine PMN-2-Landmine gefunden. Nur wenige Tage später, am 27. August, verlor ein thailändischer Soldat unweit des Ta-Kwai-Tempels sein rechtes Bein, nachdem er auf eine Mine getreten war.

Diese Vorfälle bestätigen nach thailändischen Angaben, dass BHQ-Truppen ihre Stellungen in der Nähe der Tempelanlagen Ta Meun Thom und Ta Kwai weiter verstärken.

Am 28. August trat General Hing Bun Hieng in der Provinz Preah Vihear öffentlich in Erscheinung, wo er in zwei Tempeln Mönchen Opfergaben überreichte. Sein Auftritt ist bemerkenswert, da zuvor wochenlang über seinen möglichen Tod spekuliert worden war. Während der Waffenstillstandsphase seit dem 28. Juli hatten nur seine Stellvertreter – darunter General Nop Rattananimon – die Aktivitäten der BHQ-Truppen koordiniert und Verwundete sowie deren Familien besucht.

Das BHQ gilt als Eliteeinheit mit Spezialkräften, Panzerverbänden und einem Raketenbataillon vom Typ BM-21. Offiziell dient sie dem Schutz der kambodschanischen Führung, de facto aber unterstützt sie die Front durch Artillerieschläge. Vor Ort sorgt dies für Unmut, da reguläre Grenzsoldaten die Hauptlast der Kämpfe tragen, während die BHQ-Truppen vergleichsweise abgeschirmt agieren.

Militärexperten sehen im jüngsten Auftritt Hing Bun Hiengs eine Botschaft an die eigenen Truppen, unmittelbar nachdem der sechste thailändische Soldat seit Juli durch eine Mine schwer verwundet wurde. Thailand reagierte bereits: Generalleutnant Boonsin Padklang, Kommandeur der Zweiten Armee, erteilte seinen Einheiten die Erlaubnis, künftig sofort das Feuer zu eröffnen, sobald kambodschanische Soldaten beim Verlegen von Minen oder bei Grenzübertritten ertappt werden.

Die Eskalation deutet darauf hin, dass die fragile Waffenruhe zwischen Bangkok und Phnom Penh ins Wanken gerät. Hinter den diplomatischen Verhandlungen setzen beide Seiten weiterhin auf militärische Nadelstiche – ein Szenario, das Beobachter als Vorboten eines neuen Grenzkriegs deuten.

 

STIN // AI

Von stin

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