Der frühere thailändische Premierminister Thaksin Shinawatra ist in Singapur gelandet – und soll nach thailändischen Medienberichten noch am Abend nach Bangkok zurückkehren. Der Zeitpunkt ist brisant: Bereits morgen fällt der Oberste Gerichtshof ein Urteil, das den 76-Jährigen erneut ins Gefängnis bringen könnte.

Thaksins jüngste Auslandsreise wirkte wie ein Déjà-vu. Ende vergangener Woche verließ er Thailand offiziell für einen „medizinischen Check“ in Singapur. Doch sein Privatjet bog überraschend Richtung Westen ab – nach Dubai, wo Thaksin bis 2023 im Exil lebte. Online verfolgten Tausende Thailänder die Flugroute und spekulierten, der einst mächtigste Mann des Landes wolle sich erneut dem Zugriff der Justiz entziehen.

Tatsächlich hatte Thaksin bereits 15 Jahre im selbstgewählten Exil verbracht, um Urteilen wegen Machtmissbrauchs und Interessenkonflikten zu entgehen. Erst im August 2023 kehrte er zurück, abgesichert durch einen fragilen Deal mit dem konservativen, royalistischen Establishment. Dieser „Teufelspakt“ sollte vor allem die Aufstiegschancen der progressiven Move Forward-Partei blockieren.

Nach seiner Rückkehr trat Thaksin eine achtjährige Haftstrafe an – verbrachte jedoch nur eine Nacht im Gefängnis, bevor er in ein Polizeikrankenhaus verlegt wurde. Offiziell litt er unter Bluthochdruck und Brustschmerzen, Kritiker sprachen von Sonderbehandlung. Ein Jahr später untersucht nun der Oberste Gerichtshof, ob seine mehrmonatige Unterbringung im Krankenhaus tatsächlich medizinisch notwendig war. Mehrere beteiligte Ärzte wurden inzwischen sanktioniert.

Der Fall hat weitreichende politische Dimensionen. Thaksins Rückkehr und seine enge Rolle im Hintergrund der Regierung seiner Tochter Paetongtarn ließen Zweifel an der Tragfähigkeit seines Arrangements mit den Eliten aufkommen. Paetongtarn selbst wurde am 29. August wegen eines Ethikverstoßes aus dem Amt entfernt – nach einer Reihe von Attacken royalistischer Gegner gegen die Pheu-Thai-Partei.

Während Thaksin zuletzt einen Grenzstreit mit Kambodscha politisch ausschlachtete und weiterhin als graue Eminenz gilt, wackelt seine Machtbasis. Ein Schuldspruch morgen könnte seine informelle Herrschaft endgültig beenden – und Thailands politische Landschaft neu ordnen.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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