Nach einem blutigen Grenzzwischenfall Ende Juli hat der kambodschanische Premierminister Hun Manet die Hand in Richtung Thailand ausgestreckt. In einem Gratulationsbrief an den neu ernannten thailändischen Premierminister Anutin Charnvirakul äußerte Hun Manet die Hoffnung auf eine enge Zusammenarbeit, um die angespannten bilateralen Beziehungen wiederherzustellen.
In dem Schreiben betont der kambodschanische Regierungschef sein großes Interesse daran, das gegenseitige Vertrauen wieder aufzubauen. Er wünscht sich, die gemeinsame Grenze in eine „Grenze des Friedens, der Zusammenarbeit, der Entwicklung und des gemeinsamen Wohlstands“ zu verwandeln. Hun Manet hob die Rolle beider Nationen als enge Nachbarn und ASEAN-Partner hervor, die das Streben nach Frieden und harmonischem Miteinander teilen. Er ist zuversichtlich, dass eine gute Zusammenarbeit beiden Völkern ein gedeihliches Leben ermöglichen wird.
Hintergrund des Konflikts
Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern hatten sich Ende Juli dramatisch verschlechtert, als ein langwieriger Grenzstreit in gewaltsame Auseinandersetzungen eskalierte. Die Kämpfe ereigneten sich unter der Amtszeit von Anutins Vorgängerin Paetongtarn Shinawatra. Diese wurde mittlerweile von Thailands Verfassungsgericht ihres Amtes enthoben, nachdem ein Gespräch zwischen ihr und Hun Manets Vater, dem ehemaligen Premierminister Hun Sen, an die Öffentlichkeit gelangte.
Während des fünftägigen Konflikts trafen kambodschanische Artilleriegeschosse zivile Ziele in Thailands nordöstlichen Grenzprovinzen. Krankenhäuser, Schulen und Wohnhäuser wurden beschädigt. Die Gefechte forderten 15 thailändische Soldaten und 16 zivile Opfer. Die Zahl der Toten auf kambodschanischer Seite wird mit bis 3000 angegeben.
Vermittlung und anhaltende Spannungen
Die Feindseligkeiten wurden erst durch einen von Malaysia, dem derzeitigen ASEAN-Vorsitzenden, vermittelten Waffenstillstand beendet. Trotzdem blieben die Spannungen bestehen. Bangkok beschuldigte Phnom Penh, neue Landminen gelegt zu haben, was einen Verstoß gegen die weltweiten Verbote darstellt. Als Reaktion auf die anhaltenden Spannungen haben beide Nationen ihre jeweiligen Botschafter zurückberufen.
STIN // AI