In einer aufsehenerregenden Rede während der Parlamentsdebatte hat Thailands ehemaliger Premierminister Chuan Leekpai seinem Nachfolger Anutin Charnvirakul eine Herausforderung gestellt, die das politische Establishment erschüttern könnte: den Beweis zu erbringen, dass Reichtum und Unbestechlichkeit sich nicht ausschließen müssen.
Chuan reagierte auf die politische Erklärung der neuen Regierung, die sich verpflichtet, „Korruption und Machtmissbrauch drastisch und ernsthaft zu beseitigen“. Doch was auf dem Papier ambitioniert klingt, bleibt in der Praxis vage – konkrete Maßnahmen fehlen.
Der erfahrene Demokrat, einst Vorsitzender der gleichnamigen Partei, nahm kein Blatt vor den Mund. Stimmenkauf sei der Nährboden für systemische Korruption, erklärte er. „Wer Wahlen mit Geld gewinnt, muss dieses Geld im Amt zurückholen – und das geschieht selten auf legalem Wege“, so Chuan. Ein Teufelskreis beginne: korrupte Politiker ernennen korrupte Beamte, die wiederum ihre eigenen Netzwerke aus Bestechlichkeit aufbauen.
Besonders brisant: Chuan verwies auf die Vermögensverhältnisse der letzten drei Premierminister – Paetongtarn Shinawatra, Srettha Thavisin und den aktuellen Amtsinhaber Anutin Charnvirakul. „Sie sind alle superreich“, sagte er und ließ keinen Zweifel daran, dass Reichtum kein Schutzschild gegen Korruption sei.
Dann folgte der Paukenschlag: Chuan forderte Anutin öffentlich heraus – dessen Familie ein milliardenschweres Bauimperium führt – mit den Worten: „Helfen Sie mit, zu beweisen, dass Politiker reich und dennoch unbestechlich sein können.“
Ein Satz, der wie ein Donnerschlag durch die Hallen des Parlaments hallte – und vielleicht der Beginn einer neuen Ära der politischen Rechenschaft in Thailand.