Ein Landstreit von über 800 Hektar in der Provinz Buri Ram entwickelt sich zum politischen Pulverfass: Die thailändische Staatsbahn (SRT) hat Klagen eingereicht, um zwei umstrittene Eigentumsurkunden für das Gebiet Khao Kradong zu widerrufen – ein Schritt, der weit über juristische Konsequenzen hinausreicht. Denn das betroffene Land steht in Verbindung mit einer einflussreichen politischen Familie im Nordosten des Landes und stellt die Integrität der neuen Regierung unter Premierminister Anutin Charnvirakul auf die Probe.
Die Wurzeln des Konflikts reichen bis ins Jahr 2016 zurück, als die Nationale Antikorruptionskommission (NACC) die Urkunden als unrechtmäßig einstufte. Doch erst jetzt, unter wachsendem öffentlichem Druck und politischer Beobachtung, geht die SRT aktiv gegen die mutmaßliche Landnahme vor. Insgesamt sollen 995 Grundstücke betroffen sein – darunter mindestens zwölf, die mit Geschäftsnetzwerken einer prominenten Dynastie verknüpft sind.
Die Regierung beteuert, sich nicht in die laufenden Verfahren einzumischen. Dennoch werfen Kritiker der Bhumjaithai-Partei, die nun die Regierung anführt, vor, Einfluss auf Justiz und Verwaltung auszuüben. Besonders brisant: Mehrere Kabinettsmitglieder haben enge Verbindungen zur Region und könnten in die Entscheidungsprozesse involviert sein.
Während Premierminister Anutin und seine Minister in der Parlamentsdebatte Ende September Transparenz versprachen, fordert die oppositionelle Volkspartei Taten statt Worte. Sie verlangt, dass die SRT alle rechtlichen Mittel ausschöpft, um das Land zurückzufordern – und damit einen Präzedenzfall schafft.
Parallel zur verwaltungsrechtlichen Aufarbeitung läuft eine strafrechtliche Untersuchung durch die Abteilung für Sonderermittlungen (DSI). Diese prüft, ob Beamte und private Gruppen illegal Landtitel für staatliches Gelände erhalten haben. Die SRT hat bereits formelle Beschwerden eingereicht und will jeden Fall einzeln vor Gericht bringen.
Inmitten dieser juristischen und politischen Gemengelage steht die Glaubwürdigkeit der Regierung auf dem Spiel. Der Fall Khao Kradong ist längst mehr als ein Landkonflikt – er ist ein Gradmesser für Rechtsstaatlichkeit und politische Unabhängigkeit in Thailand.
Redaktion STIN // CTN-Media