Wo China im Juli als Friedensstifter auftrat und Kambodscha und Thailand drängte, ihren Grenzkrieg zu beenden, hatte Peking schon Wochen zuvor Öl ins Feuer gegossen: Nach geheimen thailändischen Geheimdienstberichten lieferte China kurz vor Ausbruch der Kämpfe Raketen und Artillerie an Kambodscha – tonnenweise, in 42 Containern.
An drei Tagen im Juni landeten chinesische Militärtransporter vom Typ Y-20, in China wegen ihrer massiven Form „Chubby Girls“ genannt, im Hafen von Sihanoukville. Sechsmal flogen sie ein – beladen mit Raketen, Mörsern und Munition. Von dort rollte die Fracht zum Marinestützpunkt Ream, später weiter an die umstrittene Grenze. Nur Wochen danach brach der Konflikt offen aus.
Fünf Tage lang tobten im Juli Kämpfe um ein altes Grenzheiligtum, auf das beide Länder Anspruch erheben. Kambodscha setzte dabei laut unabhängigen Beobachtern vor allem chinesische Raketen ein – mit verheerender Wirkung. Eine Tankstelle, ein Krankenhaus und Wohnhäuser in Thailand wurden getroffen, mindestens 13 Zivilisten starben gleich am ersten Tag. Am Ende waren es über 40 Tote auf beiden Seiten und Hunderttausende Vertriebene.
Die thailändischen Geheimdokumente, deren Echtheit von Militärs bestätigt wurde, zeichnen ein klares Bild: Kambodscha bereitete sich monatelang systematisch vor – mit neuen Straßen, Stützpunkten und massiven Waffenlieferungen. Analysten sprechen von einer „bewussten Entscheidung, den Status quo zu verändern“.
Peking weist jede Mitschuld zurück. Offiziell habe China Kambodscha keine Waffen für den Einsatz gegen Thailand geliefert. Doch die Datenspur in den Dokumenten spricht eine andere Sprache: Zwischen dem 21. und 23. Juni allein wurden fast 700 Raketen und große Mengen Artilleriemunition geliefert – ein Umfang, der ohne Billigung der chinesischen Führung kaum denkbar ist.
China steckt damit in einem Dilemma: Es inszeniert sich in Südostasien als Friedensmacher, rüstet aber zugleich beide Nachbarn mit Waffen aus – und verliert so an Glaubwürdigkeit.
Für Kambodscha war die chinesische Unterstützung entscheidend. Während Phnom Penh 2011 im letzten Grenzkrieg noch schnell die Munition ausging, fühlt sich das Land nach Jahren der Aufrüstung mit chinesischen Waffen nun stärker. Doch trotz aller Vorbereitung blieb die Realität dieselbe: Thailands modernere Luftwaffe zwang Kambodscha rasch an den Verhandlungstisch.
Zurück bleibt ein Konflikt, der nicht gelöst, sondern nur vertagt scheint – und die Frage, wie lange China seinen Balanceakt zwischen Waffenlieferant und Friedensapostel noch durchhalten kann.
STIN // AI