Inmitten eines globalen Gegenwinds und innenpolitischer Unsicherheiten hat das thailändische Parlament den Haushalt für das Jahr 2026 verabschiedet – ein Etat, der mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Mit einem Volumen von 3,78 Billionen Baht (rund 116 Milliarden US-Dollar) steigt das Budget nur marginal gegenüber dem Vorjahr. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich ein komplexer Balanceakt zwischen Konjunkturbelebung und fiskalischer Vorsicht.
Die thailändische Wirtschaft, einst ein regionaler Wachstumsmotor, steckt seit der Pandemie in einem anhaltenden Abschwung. 2024 lag das Wachstum bei 2,5 Prozent, für 2025 werden nur noch 2,2 Prozent erwartet – Tendenz fallend. Die Regierung versucht gegenzusteuern, doch die Mittel sind begrenzt. Das digitale Wallet-Programm, einst als große Hoffnung gefeiert, wurde in seiner letzten Phase gestrichen. Die eingesparten Mittel sollen nun gezielter eingesetzt werden.
Statt breiter Geldspritzen setzt Thailand 2026 auf punktuelle Maßnahmen: Eine Kapitalspritze für die staatliche Landwirtschaftsbank, Unterstützung für Sozialkarteninhaber und Schuldenerleichterungen für einkommensschwache Haushalte. Das Ziel: Die Binnenkonjunktur stärken, um die schwächelnden Exporte abzufedern. Doch mit nur 62 Milliarden Baht für Subventionen ist der Spielraum begrenzt.
Das Haushaltsdefizit bleibt mit 860 Milliarden Baht (rund 26 Milliarden US-Dollar) hoch – etwa 4,3 Prozent des BIP. Die Regierung kalkuliert mit einem optimistischen Wachstum von bis zu 3,3 Prozent im kommenden Jahr. Die Asiatische Entwicklungsbank hingegen prognostiziert lediglich 1,6 Prozent – ein Warnsignal für die Haushaltsstabilität.
Intern brodelt es ebenfalls: Politische Machtkämpfe erschweren klare Entscheidungen. Ausgabenkürzungen wären ökonomisch sinnvoll, aber politisch riskant. Und während Thailand auf eine Erholung der Weltwirtschaft hofft, bleibt die globale Lage volatil – nicht zuletzt wegen der unberechenbaren US-Politik unter Präsident Trump.
Thailand steht am Scheideweg. Der Haushalt 2026 ist kein Befreiungsschlag, sondern ein vorsichtiger Schritt in einem unsicheren Terrain. Ob gezielte Impulse ausreichen, um das Land aus der Warteschleife zu holen, bleibt abzuwarten.
STIN // AI