Mehr als 16 Jahre nach den dramatischen Protesten in Bangkok hat das thailändische Strafgericht heute ein Urteil gesprochen, das politische Wellen schlägt: Fünf ehemalige Anführer der aufgelösten Vereinigten Front für Demokratie gegen Diktatur (UDD), bekannt als die „Rothemden“, wurden zu jeweils vier Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Der Grund: Ihre Rolle bei den gewaltsamen Massenprotesten gegen die Regierung des damaligen Premierministers Abhisit Vejjajiva im Frühjahr 2009.

Zwischen Januar und April jenes Jahres verwandelten sich die Straßen Bangkoks in ein Schlachtfeld. Tausende Demonstranten in roten Shirts blockierten Regierungsgebäude, belagerten die Residenz von General Prem Tinsulanonda – dem Präsidenten des Kronrats – und forderten den Rücktritt dreier Kronräte. Die Lage eskalierte: Es kam zu blutigen Zusammenstößen mit Soldaten, Gebäude wurden in Brand gesetzt, darunter das CentralWorld-Einkaufszentrum und mehrere Provinzhallen.

Ein besonders brisanter Moment: Die Belagerung eines Hotels in Pattaya, in dem der ASEAN-Gipfel stattfinden sollte. Unter der Führung des heute im kambodschanischen Exil lebenden Arisman Pongruangrong stürmten Demonstranten das Gelände – die Konferenz wurde abgebrochen, internationale Staatsgäste mussten fluchtartig abreisen.

Die heute verurteilten UDD-Führer – Veerakan Musikapong, Jatuporn Promphan, Natthawut Saikua, Dr. Weng Tochirakan und Adisorn Piengket – gelten als zentrale Figuren der Bewegung, die sich gegen die als elitär empfundene Regierung stellte. Ihnen wurde später eine Kaution von jeweils 200.000 Baht gewährt, verbunden mit der Auflage, das Land nicht ohne gerichtliche Genehmigung zu verlassen.

Auch fünf weitere Aktivisten erhielten Haftstrafen von jeweils vier Monaten, während zwei Angeklagte freigesprochen wurden. Ein weiterer, Phira Pringklang, verstarb während des Prozesses.

Das Urteil markiert einen weiteren juristischen Schlusspunkt in einem der turbulentesten Kapitel der jüngeren thailändischen Geschichte – doch die politische Debatte über Demokratie, Macht und Gerechtigkeit dürfte damit kaum beendet sein.

 

STIN // AI

Von stin

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