Im ehrwürdigen Aksra Theatre in Bangkok versammelten sich am 8. Oktober führende Wirtschaftsvertreter, Medien und politische Entscheidungsträger zum thailändischen Wirtschaftsseminar unter dem Motto: „Die zukünftige Ausrichtung Thailands: Wenn sich die Welt verändert … Wohin steuert Thailand?“ – eine Frage, die Premierminister Anutin Charnvirakul in seiner Grundsatzrede mit Nachdruck aufgriff.

Vor dem Hintergrund globaler Umbrüche – von Handelskriegen über Klimakrisen bis hin zu disruptiver KI – zeichnete Anutin ein Bild der Herausforderungen, denen sich Thailand stellen muss. „Die Welt ist heute viel schwieriger als zu der Zeit, als wir aufwuchsen“, sagte er und warnte: „Länder, die sich nicht anpassen, verlieren nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geopolitisch an Einfluss.“

Der Premierminister rief zu einem umfassenden Strukturwandel auf. Die wirtschaftlichen Fundamente müssten neu gelegt, politische Parteien modernisiert und veraltete Systeme überdacht werden. Wer sich dem Wandel verweigere, werde zum „Dinosaurier“ – ein Begriff, den Anutin bewusst als Mahnung wählte.

Im Zentrum seiner Vision steht die nationale Sicherheit als Basis für wirtschaftlichen Fortschritt. Grenzschutz, Diplomatie und wirtschaftliche Stärke sollen gemeinsam für Stabilität sorgen. Gleichzeitig betonte Anutin die Notwendigkeit von Transparenz und Rechtsstaatlichkeit – insbesondere im Kampf gegen Korruption, die er als „versteckte Kosten für die Wirtschaft“ bezeichnete.

Ein strategischer Schritt: Thailands Bewerbung um die OECD-Mitgliedschaft. Damit soll das Justizsystem internationalen Standards angepasst und das globale Ansehen des Landes gestärkt werden.

Besonderes Augenmerk legte Anutin auf die wirtschaftliche Erholung. Kleine und mittlere Unternehmen sollen durch niedrigere Lebenshaltungs-, Energie- und Transportkosten entlastet werden. Die Regierung setzt auf intelligente Landwirtschaft, Solarenergie für Haushalte und faire Agrarpreise, um die Versorgungssicherheit zu stärken.

Mit ungewöhnlicher Offenheit räumte Anutin ein: „Heute liegen wir hinter Vietnam zurück – ein Albtraum, besonders für mich.“ Doch er zeigte sich kämpferisch: „Es ist noch nicht zu spät. Thailand kann seine Führungsrolle in der Region zurückerobern.“

Auch dem demografischen Wandel widmete er Aufmerksamkeit. Die sinkende Geburtenrate sei eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Die Regierung plane Reformen beim Renteneintrittsalter und wolle sicherstellen, dass ältere Menschen in Würde leben können. Gleichzeitig sollen Kinder künftig „in hoher Qualität geboren und aufgezogen“ werden – ein Ausdruck, der für Aufhorchen sorgte.

Zum Abschluss skizzierte Anutin Thailands Weg in die Zukunft: Netto-Null-Emissionen bis 2050, saubere Energie für Industrie und Landwirtschaft, digitale Verwaltung zur Förderung von Transparenz und Wachstum. „Keine Regierung kann das Land allein neu ausrichten“, sagte er. „Es braucht die gemeinsame Kraft von Staat, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft.“

Mit einem Appell an den nationalen Optimismus und einem Seitenblick auf seine Partei Bhumjaithai schloss Anutin: „Das übersteigt unsere Möglichkeiten nicht.“ Thailand habe das Potenzial – nun müsse es auch das System schaffen, um dieses voll auszuschöpfen.

 

STIN // AI

Von stin

0 0 Bewertungen
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x