Nur wenige Monate nach Abschluss ihres gerichtlich überwachten Sanierungsplans steht Thai Airways erneut im Zentrum einer hitzigen internen Auseinandersetzung. Der Grund: Ein geplanter Leasing-Deal über gebrauchte Airbus A330-200-Flugzeuge im Wert von über 400 Millionen US-Dollar – und ein Vorstand, der auf die Bremse tritt.

Der Vorschlag, acht Jahre alte A330-Jets zu mieten, stammt aus der Amtszeit des ehemaligen Restrukturierungschefs Piyasvasti Amranand. Die Maschinen sollen kurzfristig die verspäteten Boeing 777 ersetzen, deren Auslieferung sich bis 2027 verzögert. Doch der neue Vorstand zeigt sich skeptisch – und das gleich mehrfach: Drei Anträge zur Genehmigung wurden bereits abgelehnt.

Zentrale Kritikpunkte:

  • 🧭 Strategiebruch: Nach der Sanierung wollte THAI die Flotte auf vier Flugzeugtypen reduzieren (777, 787, A350, A321). Der A330 passt nicht ins Konzept – und wurde bereits zur Ausmusterung bis 2030 vorgesehen.
  • 💸 Kostenexplosion: Neben den Leasingraten fallen rund 140 Millionen US-Dollar für Kabinenumbauten und Ersatztriebwerke an. Kritiker warnen vor einem teuren Rückschritt.
  • 🔧 Technologische Rückschritte: Der A330 basiert auf schwerer Aluminiumtechnik und ist weniger treibstoffeffizient als moderne Alternativen wie die Boeing 787 mit Verbundwerkstoffen.
  • 🔍 Operative Lücken: Mit einer Reichweite von rund sieben Stunden kann der A330 die Langstreckenleistung der Boeing 777 (über zehn Stunden) nicht ersetzen.

Das Management verteidigt den Plan mit Verweis auf akute Engpässe: Ersatzteile für die Rolls-Royce Trent 1000-Triebwerke fehlen, mehrere Flugzeuge stehen still. Doch der Vorstand mahnt zur Vorsicht. Nach der finanziellen Genesung müsse jede langfristige Investition auf Stabilität und Effizienz geprüft werden.

CEO beschwichtigt – aber Gerüchte brodeln

In einer offiziellen Stellungnahme an die thailändische Börse betonte THAI-Vorstandschef Chai Eamsiri, dass es „keine endgültigen Schlussfolgerungen“ zu internen Veränderungen gebe. Die Vorbereitungen zur Hauptversammlung 2025 liefen laut ihm rechtskonform, die Aktionärsrechte seien gewahrt.

Ob das reicht, um die Flottenfrage zu klären, bleibt offen. Klar ist: Der Streit um den A330 ist mehr als nur eine technische Debatte – er ist ein Lackmustest für die Zukunftsstrategie der nationalen Fluggesellschaft.

 

STIN // AI

Von stin

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