Während sich der Monsun über Thailand ergießt und die Flüsse Chao Phraya und Noi über die Ufer treten, stemmt sich ein kleiner Bezirk in Ayutthaya gegen die Wassermassen – nicht aus eigener Kraft, sondern im Dienst der Hauptstadt. Bang Ban, tief gelegen und strategisch platziert, wird seit 2017 gezielt geflutet, um Bangkok vor dem Schlimmsten zu bewahren. Doch die Opfer, die die Bewohner bringen, sind gewaltig – und werden kaum gewürdigt.

„Wir leben auf Plattformen, rudern aus dem Fenster und schlafen unter der Decke“, beschreibt Dorfvorsteher Sawas Sanyawiri die Realität. Früher stieg das Wasser auf zwei Meter, heute überflutet es den zweiten Stock. Drei Monate Dauerflut sind inzwischen die Norm. Die Regierung zahlt 9.000 Baht pro Haushalt – ein Tropfen auf den heißen Stein, sagen die Betroffenen.

Die Flut trifft nicht alle gleich. Straßen wirken wie Dämme, manche Viertel bleiben trocken, andere versinken. „Warum sind wir die Opfer, während andere verschont bleiben?“, fragt Sawas. Auch Sawaeng Janpitak, 77, ist erschöpft: „Jedes Jahr dasselbe Elend. Warum passiert nichts?“

Im benachbarten Sena leidet eine 74-Jährige unter einer Pilzinfektion – ihr Haus steht seit zwei Monaten unter Wasser. Die Hilfspakete? Ungleich verteilt. Die Entschädigung? Unzureichend. Die Perspektive? Ungewiss.

Ein Viertel Ayutthayas dient als Rückhaltebecken. Die Regierung plant neun Großprojekte, darunter den Bang Ban–Bang Sai-Kanal, der zu 95 % fertig ist. Doch Experten wie Seree Supratid warnen: Ohne neue Rückhaltegebiete weiter nördlich und eine überarbeitete Strategie wird sich die Krise jährlich wiederholen.

KI und prädiktive Modelle könnten helfen, doch bislang fehlt es an klaren Plänen, gerechter Entschädigung und vorausschauender Infrastruktur. Bang Ban bleibt ein stiller Held – und ein Mahnmal für die Versäumnisse der Hochwasserpolitik.

 

Von stin

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