Kambodscha hat sich mit einem scharfen Appell an die Vereinten Nationen gewandt und wirft dem thailändischen Militär vor, gezielt „störende Geräusche“ zur Einschüchterung kambodschanischer Grenzbewohner eingesetzt zu haben. Die Vorwürfe wiegen schwer: Über Lautsprecher sollen nachts geisterhafte Klänge und dröhnende Flugzeuggeräusche ausgestrahlt worden sein – mit dem Ziel, Angst und Panik zu verbreiten.
In einem offiziellen Schreiben an den UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, schildert die kambodschanische Menschenrechtskommission (CHRC) detailliert, was sich in den Dörfern Prey Chan und Chouk Chey nahe der thailändischen Provinz Sa Kaeo abgespielt haben soll. Zwischen 22:44 Uhr und Mitternacht seien „klagende Geisterstimmen“ zu hören gewesen, gefolgt von einem halbstündigen Dauerdröhnen von Flugzeugmotoren in den frühen Morgenstunden.
Die CHRC beruft sich auf glaubwürdige Berichte lokaler Behörden und betroffener Zivilisten. Die nächtliche Geräuschkulisse habe insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen in Angst versetzt, zu Schlafstörungen und psychischem Stress geführt. „Solche Handlungen widersprechen den Grundprinzipien der UN-Charta und haben in keiner zivilisierten Gesellschaft Platz“, heißt es in dem Schreiben.
Die Kommission fordert eine sofortige Untersuchung durch das UN-Menschenrechtsbüro und verlangt, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Zudem solle jegliche Form psychologischer Einschüchterung entlang der Grenze unterbunden werden.
Hinter den nächtlichen Klangattacken vermutet man eine Kampagne nationalistischer Aktivisten aus Thailand, die kambodschanische Dorfbewohner zum Rückzug aus umstrittenen Grenzgebieten bewegen wollen. Das thailändische Militär hat sich von der Aktion distanziert.
Auch Kambodschas Informationsminister Neth Pheaktra meldete sich zu Wort und verurteilte die Vorfälle als „schwere Lärmbelästigung“ und „eklatante Verletzung grundlegender Menschenrechte“. Er fragte öffentlich: „Warum handeln Sie so grausam?“
Anwohner und lokale Beamte forderten die thailändischen Behörden auf, einzugreifen und ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern. Zwischen Ländern mit jahrhundertealten kulturellen Verbindungen sei ein solches Verhalten „inakzeptabel“, betonten sie.
STIN // AI